Hedera helix 'Harry Wood'

Dieser schöne fächerförmige Efeu hat eine interessante Geschichte und eine abwechslungsreiche nomenklatorische Vergangenheit. Obwohl diese Sorte erstmals von Susanne Pierot 1974 unter dem NamenWoodsii’ fotografiert und beschrieben wurde, ist der Name nicht korrekt.

In
der Efeu Sammlung, die vom Cox Arboretum, Dayton, Ohio, USA zur Amerikanischen Efeugesellschaft im Jahr 1979 kam, wurde dieser Efeu als 'Woodsei’ bezeichnet. Um die Geschichte dieses Efeu zu überprüfen kontaktierte Sabina Mueller Sulgrove, die damalige Registratorin der Amerikanischen Efeugesellschaft, 1982 Frau Anne Woods mir der Bitte, mehr über den Ursprung der Sorte zu erfahren. Danach hatte Anne Wood Wertsner den Efeu in den frühen 1950er Jahren nach ihrem verstorbenen Mann Harry Wood, einem bekannten Gärtner, benannt. Die Pflanze bekam sie als einen namenlosen Sämling aus dem Morris Arboretum, Philadelphia, PA, und da sie die Sorte nicht kannte gab sie ihr den Namen ’Woodii’.

Die AIS "korrigiert" die Schreibweise des Namens zu Woodsiae’ (Sulgrove, 1982) um die richtige feminine Endung iae- zu verwenden, da ja mit dem Namen eine weibliche Person geehrt werden sollte. Somit ist die kuriose Situation entstanden, dass es einen Efeu gibt welcher in den frühen 1950er Jahren benannt wurde, erstmals 1974 von Suzanne Pierot unter einem anderen Namen beschrieben wurde, und eine lateinischen Endung für einen persönlichen Namen besitzt. Obwohl ’Woodii’ vor 1959 genannt wurde, war er bis 1974 nicht veröffentlicht oder beschrieben. Somit ist die Bezeichnung nicht korrekt. Nach einer internationalen Regelung sollten Sorten ab 1959 keinen lateinisierten Namen mehr tragen, daher entschloss sich die Registratur der AIS 1983 zu einer Umbenennung in ’Harry Wood’. Mit diesem Namen ist das Andenken von Anne Wood Wertsner an ihren verstorbenen Mann bewahrt und es kann eine Verwechslung mit dem Namen Wood (= Holz) vermieden werden. Die Namen ’Woods’, ’Woodii’, ’Woodsii’ ,'Woodsei’ und Woodsiae’ sind als Synonyme zu betrachten. Einige Quellen stellen ‘Harry Wood‘ als ein Synonym für 'Modern Times' dar (Jane Fearnley-Whittingstall 1992 in “Ivies“ und 2004 die Online Ivy List der Royal Horticultural Society in Großbritannien). Das ist verwunderlich, unterscheiden sich doch beide Sorten erheblich voneinander. Vielleicht waren dort andere Sorten unter dem Namen ‘Harry Wood‘ im Umlauf. Fakt ist dass beide eigenständige Kultivare sind.


Von der Amerikanischen Efeugesellschaft wurde die Sorte mit der Bestandsnummer AIS 79-224 geführt. Im Pierot Classification System wird diese Sorte als Fans (F) und Oddities (O) geführt, was bedeutet, dass das Blatt fächerförmig ist und eine ungewöhnliche, nicht genau zu definierende Blattform besitzt. 1979 gelangte der Efeu mit vielen anderen Sorten von der Gärtnerei ’The Alestake’, Elkwood, VA, USA, nach Deutschland in die Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg.

Die Ursprungspflanze ist unbekannt, aber in ihren Blättern und in ihrem ganzen Habitus ist ’Harry Wood’ der Sorte ‘Maple Queen‘ ähnlich. So ist es gut möglich, dass sie durch eine Verbänderung von ‘Maple Queen‘ entstanden sein könnte. Peter Rose schreibt 1982 dazu in seinem Buch “Efeus“:
“Der Umstand, dass sich manche Ranken bei ihr in zwei von gleicher Größe und Stärke teilen, lässt auf eine leichte Verbänderung schließen. Verbänderungen haben allgemein einen etwas steifen und gedrungenen Wuchs. Sie ergeben demzufolge dichte und gedrungene Pflanzen, die keine langen Ranken entwickeln.“


Der Wuchs von ’Harry Wood’ ist mäßig selbst verzweigend, mit kurzen gedrungenen Ranken. Die Triebe sind Grün-violett, die Internodien 1,5 bis 2 cm. Die Blattstiele sind Violett-grün, oft geteilt und abgeflacht. Beim Neuaustrieb können die Blattstiele und Stängel eine rötliche Färbung annehmen. Ein charakteristisches Merkmal der Pflanze sind die auf Grund der Verbänderung recht variablen und asymmetrischen Blätter. Die Variabilität scheint eine Funktion der Verbänderung zu sein, welche in der Abflachung des Gewebes sowohl der Blätter und Stiele zum Tragen kommt. Je größer der Grad der Fasziation, um so weniger Lappen werden an den Blättern ausgebildet. In extremen Fällen teilen sich die Blattstiele und bilden am Ende je ein Blatt.

Außerdem können wegen der Asymmetrie der Blätter zwei Terminallappen von gleicher Länge erscheinen. Die Zahl der Lappen auf den Blättern kann von drei auf fünf oder sieben Lappen variieren. Bei drei-lappigen Blättern kann der Terminallappen verlängert sein, die Seiten verlaufen fast parallel zur Mittelrippe und der Laterallappen ist verdeckt. In diesem Fall können die Blätter flach oder etwas hohl, gewellt oder nach oben gefaltet sein. In anderen Fällen bilden sich fünflappige Blätter mit fast gleich langen Lappen oder ein typisches efeuförmiges Blatt mit herzförmiger Basis. In der Regel sind die Blätter stark abgerundet und weisen nach vorn. Die Blattgröße beträgt 2,5 bis 3,5 x 2,5 bis 3,5 cm. Die Spitzen der Lappen sind spitz bis abgestumpft. Die Ausbuchtungen sind flach und nach oben gewölbt. Die Blattbasis ist gestutzt bis schwach herzförmig. Das Blatt hat eine dunkelgrüne Färbung, die Adern sind hellgrün und erhaben. Die Winterhärte ist X—XX. ’Harry Wood’ kann als Topfpflanze, zur Beipflanzung in  Pflanzgefäßen und im Freiland für kleine Flächen verwendet werden.


Lit.
An Unintended Hardiness Test, 1977, in: The Ivy Bulletin, Summer 1977, Vol. 3, Part 4, S.28-30
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Ulmer Verlag, Stuttgart, S.129
Ingobert Heieck,1983, 7. Gesamtliste 1982/83, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen

Sabina Mueller Sulgrove, 1983, December 1983 Featured Ivy: Harry Wood, in: Ivy Journal Vol.9, No.4, December 1983, S.31-36
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.54
Jane Fearnley-Whittingstall, 1992, Ivies, Random House New York, USA, S.152
Mail Order Catalog 2000, Ivies of the World, Weirsdale, Florida, USA
RHS-Ivy List, 2004 Webseite

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