Hedera helix 'Irish Lace'

Über den Ursprung der Sorte liegen keine Erkenntnisse vor, vermutlich ist der Efeu vor den 1970er Jahren in den USA entstanden. Eine erste Beschreibung erfolgte 1974 durch Suzanne Warner Pierot. Über die Herkunft der Pflanze darf spekuliert werden, während Ingobert Heieck (1987) meint, dass 'Needlepoint' dafür in Frage kommt, bzw. ‘Irish Lace‘ in diese übergeht, sieht Jane Fearnley-Whittingstall (1992) die Sorte 'Königer' als vermeintliche Ausgangspflanze an. Leider sind dies nur Vermutungen, eine tatsächliche Abstammung ist nach unserem Kenntnisstand bisher nicht publiziert worden.

Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft (AIS) wurde die Sorte erstmals mit der Erwerbsnummer AIS 79-52 gelistet, die aktuelle Referenzpflanze wird mit der Nummer 94-029 geführt. Im Pierot Classification System wird der Efeu als Bird's Foot Ivies (BF) geführt, was bedeutet, dass das Blatt vogelfußähnlich ist.

Diese Pflanze ist die wohl klassischste Variante in der Gruppe der vogelfußförmigen Efeus. Während viele andere Sorten nur an diese Blattform im weitesten Sinne “erinnern“, erreicht ‘Irish Lace' durch seine feinen, langen, dünnen, nach vorn zulaufenden Blätter am ehesten das Aussehen eines Vogelfußes.

Der Efeu hat einen sehr kompakten, buschigen Wuchs und ist gut selbstverzweigend. Es bilden sich lange, dicht belaubte Ranken, an denen oft bis zu 5 Blätter an einem Knoten stehen. Die Triebe sind grün-lila, die Internodien sind 1-1,5 cm. Die 1,5-2,5 cm langen Blattstiele sind ebenfalls grün-lila. Die kleinen 5-lappigen Blätter haben sehr schmale, lineare Lappen und geringförmig gewellte und nach unten gerollte Blattränder. Der Terminallappen ist 1,5 mal so lang wie die Laterallappen, etwa 1,5-2 cm lang und nur 0,5 cm breit. Die Laterallappen sind in 45° Winkel nach vorn gerichtet. Die rudimentär ausgebildeten Basallappen treten meist nur an älteren Blättern in Erscheinung, jüngere Blätter wirken daher oft 3-lappig. Die vorhandenen Basallappen treten nur als Dorn oder Zahn hervor, welcher in der Regel im 90° Winkel zur Seite gerichtet ist. Dieser Umstand könnte neben den untergerollten Blättern ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen, ähnlichen Sorten darstellen.

Die Blattbasis ist keilförmig oder manchmal gestutzt, die Blattspitzen sind stark zugespitzt. Die Blattgröße beträgt 2-2,5 x 1,5-2 cm. Gelegentlich verändert sich die typische Blattform der Pflanze, die Blätter werden breiter und entwickeln eine “Pedata“ ähnliche Kontur. Die Blätter sind dunkelgrün gefärbt, die Blattoberfläche hat entlang der Adern in der Nähe der Ränder eine "gebürstete“ Struktur. Die Hauptnerven sind hellgrün gefärbt.
Im Laufe der Vegetationsperiode kann sich die Blattform verändern, diese Abweichung kommt bei den meisten vogelfußförmigen Sorten vor. Die feingliedrige Form mit den schmalen, linearen Blättern ist vor allen im Frühjahr sehr ausgeprägt. Ab August werden die Blattstiele länger, die Blattspreite und Blattbasis werden breiter und die Lappen erhalten eine dreieckige Form.
‘Irish Lace‘ ist eine attraktive Sorte und für die Verwendung als Blumenampel oder Zimmerpflanze bestens geeignet.

Die Sorten ‘Irish Lace' und 'Needlepoint‘ sehen sich etwas ähnlich und können leicht verwechselt werden. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Efeus besteht in den schmalen, fast linearen Lappen von ‘Irish Lace‘, die Blattränder sind hier minimal nach unten gerollt (revolute). In Gegensatz dazu hat 'Needlepoint' etwas breitere Lappen, welche flach und nicht nach unten gerollt sind. So kann ein vergleichendes Ertasten der Blattränder an diesen beiden Sorten ein erster Hinweis dazu sein, um welchen Efeu es sich handelt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Ausbuchtungen zwischen den Lappen. Bei 'Irish Lace' sind diese mehr abgerundet, bei ‘Needlepoint‘ sind sie zwischen dem Terminallappen und den Seitenlappens scharf abgewinkelt. Ferner sind die Blätter von ‘Irish Lace' dunkelgrün, die von 'Needlepoint' hingegen sind hellgrüner.

Aus ‘Irish Lace’ kann die Sorte ‘Innuendo‘ ausgelesen werden. Diese hat auffallend unregelmäßige, nach unten gerollte, wellige Lappenränder. Entlang der Venen oder in der Nähe der Ränder bilden sich zudem kleine pinselstrichförmige oder zart gestreifte graue bis gelbe Flecken.

Die Sorte ‘Plume d’Or’ wird als größere Version von 'Irish Lace' betrachtet. Auch hier entwickeln sich fast lineare Lappen. Im Unterschied zu 'Irish Lace' sind die Seitenlappen bei ‘Plume d’Or’ aber im rechten Winkel zu dem Terminallappen angebracht, und zwei Basallappen zeigen nach hinten.

Eine weitere ähnliche Sorte ist ‘La Plata‘, dieser Efeu unterscheidet sich aber von 'Irish Lace' durch seine stark abgerundeten Blattenden und der sehr feinen Behaarung auf der Blattoberfläche, welche für eine weiche, fast samtige Erscheinung sorgt.

Auch ‘Très Coupé‘ und ‘Königers Auslese‘ sind klein- und  schmalblättrige Sorten. Sie können als selbstverzweigende Sports der Sorte 'Star' angesehen werden. ‘Très Coupé‘  hat stark reduzierte oder fehlende Basallappen, und die Blätter sind nicht so dunkelgrün und glänzend wie bei 'Irish Lace'. Außerdem ist die Länge des Terminallappens im Verhältnis zu den Seitenlappen bei 'Très Coupé' viel größer (der Terminallappen ist zwei oder mehrere Male länger wie die seitlichen Lappen) als in anderen fein geschnittenen, kompakten Vogelfußefeus.
An ‘Königers Auslese‘, welche kleinblättriger und gedrungener wächst, sind die Basallappen nach hinten gerichtet.

Bei ‘ltsy Bitsy', einer ebenfalls kleinblättrigen ähnlichen Sorte, welche aus ‘Needlepoint‘ entstanden ist, sind die Blätter sehr klein und kurz. Außerdem sind die Lappen nicht linear wie bei ‘Irish Lace‘ sondern breit, vor allem der Terminallappen ist an der Basis breit und nach vorn zulaufend. Ein weiterer Unterschied liegt in den tief eingeschnittenen Lappen von ‘Irish Lace‘, dies ist bei ‘ltsy Bitsy' nicht der Fall.

Lit:
Suzanne Warner Pierot, 1974, The Ivy Book, The Growing and Care of Ivy and Ivy Topiary, Macmillan Publishing Co., Inc., New York, USA, S.38-40
Ingobert Heieck, 1977, Das Efeusortiment der Gebr. Stauss, Möglingen bei Stuttgart
Sabina Mueller Sulgrove, 1981, Research Observation Post:  Similar Ivies: ‘Needle Point,‘ ‘Irish Lace,‘ La Plata,‘ ‘Midget,‘ ‘Minigreen.‘, in: The Ivy Bulletin September 1981 Volume 7, Part 3 S. 34 – 44
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.35
Ronald Whitehouse, 1991, Ivies, Collins Aura Garden Handbooks, Harper Collins Publishers London
Jane Fearnley-Whittingstall, 1992, Ivies, Random House New York, USA, S.132
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.84-85
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA

 

  • Hedera helix 'Irish Lace' 08 (1)
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