Hedera helix 'Staghorn'

Über die Herkunft dieses Efeus lassen sich so gut wie keine erhellenden Informationen finden. Vermutlich wurde die Sortenbezeichnung ursprünglich nur als Synonym verwendet und hat sich im Laufe der Zeit nur in den Liebhabersammlungen erhalten. 'Staghorn‘ entstand wahrscheinlich in den USA zu Beginn der 1970er Jahre, bzw. der Name wurde in dieser Zeit verwendet. In einem Artikel im “Ivy Journal“ der Amerikanischen Efeugesellschaft (AIS) wird 1976 vorgeschlagen, für die Bezeichnung der Sorte 'Itsy Bitsy' einen ihrer Synonyme zu verwenden: 'Pin Oak', 'Staghorn' oder 'Ferney'. Schon da wird deutlich, dass 'Staghorn' womöglich nur ein Synonym einer anderen Sorte ist.

Allerdings  gelangte ein Efeu mit der Bezeichnung ’Staghorn’ 1981 vom Research Center der AIS in Dayton, Ohio, USA, in die Efeusammlung von Ingobert Heieck der Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg. In seinem Buch “Hedera-Sorten“ (1987) erwähnt Heieck die Sorte allerdings nicht, was ein weiteres Indiz für den untergeordneten Gebrauch des Sortennamens sein könnte.
Die aktuell in unseren Sammlungen geführte Sorte ‘Staghorn‘ kam von der Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg, 1990 in die Privatsammlung zu Robert Krebs, Stolk.

1992 erscheint in der Publikation “Which Ivy“ von Ronald Whitehouse eine schwarz-weiß Zeichnung der Sorte mit dem Hinweis “dicht buschig, mit markanter Blattform“ und “USA 1981“. Wenn sich letztere Angabe auf den Ursprung der Pflanze bezieht kann das nicht stimmen, da die Sorte der AIS seit mindesten 1976 bekannt war. Die Abbildung bei Whitehouse zeigt ein 3-lappiges, schmales (grünes) Blatt mit kurzen, im Wesentlichen nach vorn gerichteten Laterallappen und einem etwa 3 mal längerem Terminallappen. Die Blattspitzen sind zugespitzt, die Blattbasis ist abgerundet. Das dargestellte Blatt hat eine große Ähnlichkeit mit den Sorten ‘Itsy Bitsy‘ und ‘Pin Oak‘. Auffallend sind bei Whitehouse allerdings die stark zugespitzten Blattenden, welche in unseren Sorten von ‘Staghorn‘, ‘Pin Oak‘ und ‘Itsy Bitsy' so nicht auftreten.

Einen weiteren Hinweis auf die Verwendung des Namens ‘Staghorn‘ als Synonym liefert Peter Q. Rose 1996 in seinem Buch “Ivies“. Rose verweist auf die Sortenbeschreibung von 'Itsy Bitsy' 1976 durch Henri Schaepman, dem damalige Präsident der AIS. Letzterer konnte bei 'Itsy Bitsy'  auf der einen Seite und in 'Pin Oak', ‘Staghorn‘ sowie 'Ferney' auf der anderen Seite keine größeren Unterschiede erkennen.
Die Gärtnerei Ivies of the World aus Weirsdale, Florida, USA, sieht 2000 in ihrem Efeukatalog in ‘Staghorn’ ebenfalls ein Synonym  - für  'Pin Oak'.

Zusammenfassend kann zu ‘Staghorn‘ folgendes festgestellt werden:
1. Für die Sorte 'Itsy Bitsy' wurden oder sollten früher die Synonyme ‘Pin Oak‘ oder ‘Staghorn‘ verwendet werden. Später kam die Vermutung hinzu, 'Itsy Bitsy' sei eine Miniaturversion von ‘Pin Oak‘ (Heieck 1987). 'Itsy Bitsy' ist aber eine Auslese aus ‘Needlepoint‘, seit mindestens 1974 bekannt und wird heute als eigenständige Sorte anerkannt.
2. ‘Pin Oak‘ ist eine ebenfalls eine eigenständige Sorte, welche 1941 in den USA aus 'Merion Beauty' ausgelesen wurden. Sie ist aber sehr ähnlich wie ‘Itsy Bitsy'.
3. Die in unseren Sammlungen befindliche ‘Staghorn‘ ist der Sorte ‘Pin Oak‘ und ‘Itsy Bitsy' zwar ähnlich, unterscheidet sich aber von diesen beiden Efeus in geringem Maße. Daher sollte eine parallele Kultur dieser drei Sorte darüber Aufschluss geben, wo genau die Unterschiede zwischen diesen Pflanzen liegen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können dazu noch keine genauen Angaben gemacht werden.

Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf die in unseren Sammlungen befindliche Sorte ‘Staghorn‘ aus der Sammlung von Ingobert Heieck.

Der Efeu ist sehr selbstverzweigend und dicht belaubt. Oft bilden sich an jedem Blatt neue Ranken. Die Triebe sind lila-grün, die Internodien sind 1-2 cm. Die lila-grünen Blattstiele haben eine Länge von 1,5-2 cm.  Die kleinen Blätter sind 3-lappig, Basallappen werden so gut wie nie gebildet oder sind nur als Vorsprünge wahrnehmbar. Die kurzen Laterallappen sind in der Regel im 45° Winkel nach vorn gerichtet. Der Terminallappen ist 2-3 mal so lang wie die Laterallappen und verjüngt sich nach vorn. Die Blattspitzen sind abgerundet bis stumpf. Die Blattbasis ist stark abgerundet, bei einigen Blättern ist sie gestutzt. Die Blattfarbe ist matt-mittelgrün, die Hauptadern sind hellgrün und schwach erhaben. Der Efeu kann im Freiland an geschützten Standorten zur Bepflanzung von kleinen Flächen verwendet werden oder er wird als Ampel- und  Zimmerpflanze verwendet.

Lit:
Pam Eschauzier, 1976, From Members, in: The Ivy Bulletin Spring 1976 Vol. 2, Part 2 S. 6
Ingobert Heieck,1983, 7. Gesamtliste 1982/83, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen
Ronald Whitehouse, 1992, Which Ivy - Third edition 1992, Whitehouse Ivies, Brookhill, Fordham, Colchester, UK, S.34
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.106
Mail Order Catalog 2000, Ivies of the World, Weirsdale, Florida, USA

 

  • Hedera helix 'Staghorn' 07 (1)
  • Hedera helix 'Staghorn' 08 (2)
  • Hedera helix 'Staghorn' 08 (3)
  • Hedera helix 'Staghorn' 08 (4)
  • Hedera helix 'Staghorn' 08 (5)
  • Hedera helix 'Staghorn' 09 (1)
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