Hedera helix 'Telecurl'

Über den Ursprung der Sorte ist von Bess Shippy zu erfahren, dass der Efeu vor 1950 in den USA aus der Sorte ‘Ideal‘ entstanden ist und von der Großhandelsgärtnerei E. Williams, Springfield, Ohio, auf den Markt gebracht. Da die Sorte ‘Ideal‘ als Synonym für ‘California‘ angesehen wird, dürfte 'Telecurl' eine direkte ‘California‘ Mutation (California-Rasse) sein. ‘Telecurl‘ wurde als Name von Lawrence 1956 im “Morris Arboretum Bulletin“ in den USA erwähnt und 1959 von Alfred Byrd Graf in “Exotica“ beschrieben.

Ein ähnlicher, wenn auch nicht identische Sport entstand 1952 in Holland aus der Sorte 'Curlilocks‘, er wurde 1953 unter dem ungültigen Namen 'Nana' in den Handel gebracht. 1965 wurde dieser Efeu von van de Laar beschrieben und erhielt die Bezeichnung 'Little Picture'. Vermutlich war zu dieser Zeit 'Telecurl‘ identisch mit 'Little Picture', daher ist 'Telecurl‘ als zuerst beschriebene Sorte die korrekte Bezeichnung für den Efeu. Die Ausgangssorte ‘Curlilocks‘ kam von Amerika nach Holland und war höchst wahrscheinlich aus ‘Pittsburgh‘ mutiert; so ist es nicht verwunderlich dass dieselbe Sorte an verschiedenen Orten aufgetreten ist.

Suzanne Pierot schreibt 1974 in ihrem Buch “The Ivy Book“, ‘Telecurl‘ sei wahrscheinlich eine Mutation der Sorte ‘Merion Beauty‘ (Pittsburgh-Rasse). Es kommt öfter vor, dass ähnliche oder gleiche Sorten aus verschiedenen Ursprungspflanzen oder auch verschiedenen Rassen entstehen. Somit könnte es schon möglich sein, dass ‘Telecurl‘ einmal aus ‘Ideal‘ (=‘California‘) und zum anderen aus ‘Merion Beauty‘ entstanden ist. Doch bei ‘Ideal‘ ist die Abstammung belegt, bei ‘Merion Beauty‘ ist es nur eine Vermutung.

Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft (AIS) war die Sorte erstmals mit der Erwerbsnummer AIS 79-1 gelistet. Eine weitere, mehr selbstverzweigende ‘Telecurl‘- Form mit kleineren Blättern erhielt die Nummer AIS 79-2 und war als 'Telecurl Self-Branching‘ im Bestand. Dieser Name wurde später aufgehoben, da der Grad der Selbst-Verzweigung, die Größe der Blätter und die Kompaktheit der Pflanze saisonalen Veränderungen unterworfen ist und keine separate Benennung rechtfertigt. Die aktuelle Referenzpflanze von ‘Telecurl‘ ist mit der Nummer AIS 89-064 gelistet. Im Pierot Classification System wird diese Sorte als Curlies (C) geführt, was bedeutet, dass das Blatt gekräuselt ist.

Der kompakt und langsam wachsende Efeu ist selbstverzweigend und bildet kurze, kräftige und dank der gefalteten Blätter rüschenartige, buschige Ranken. Die Triebe sind braun-grün-lila bis rötlich, die Internodien sind 1,5 bis 2,5 cm. Die rötlichen bis grün-lila gefärbten Blattstiele sind etwa so lang wie die Blätter, bei Freilandpflanzen auch deutlich länger. Die mittelgroßen, in der Regel 5-lappigen Blätter sind lang zugespitzt, hoch gewölbt und tiefgefaltet. Die Anzahl der Lappen variiert, es können sich 3-lappige Blättern bilden, bei denen die Lappen mehr oder weniger gleich groß sind, während jene Blätter mit fünf Lappen über größere Terminal- und Laterallappen verfügen, aber kleine Basallappen hervorbringen. Gelegentlich entwickeln sich auch 7-lappige Blätter. Der Terminallappen ist so lang wie breit, am Ende abrupt verjüngt und von der Blattfläche der Mittelrippe aus aufwärts gefaltet, seine Spitze ist häufig nach unten gerichtet oder verdreht. Die angrenzenden Laterallappen überlappen den Terminallappen teilweise. Sie sind bis zur Basis auffallend tief eingeschnitten, so entsteht oft der Eindruck drei einzelner getrennter Blätter an einem Blattstiel.

Ein typisches Merkmal von ‘Telecurl‘ ist zudem die tiefe Blattfurche an dem Punkt, wo der Blattstiel in das Blatt übergeht. Die Ausbuchtungen zwischen den Lappen sind schmal und stark nach oben gefaltet. Mit den nach oben und unten gewellten Blatträdern sorgt dies für ein gekräuseltes Aussehen der Blätter. Die Enden der Lappen sind spitz bis stumpf, die Blattbasis ist stark herzförmig eingeschnitten. Die Blattgröße beträgt 2-3 x 3,5-4 cm, die Blätter wirken kreisförmig. Freilandexemplare haben etwa doppelt so große Blätter, diese haben außerdem die Neigung sich bei schnellem Wuchs in die Ursprungssorte 'California' zurück zu entwickeln. Junge Blätter färben sich leuchtend apfelgrün, später werden sie mittelgrün. Die von der Blattbasis ausgehenden hellgrünen Adern sind auffallend und schwach erhaben, im Winter färben sie sich um den Blattstielansatz herum rot.

'Telecurl' ist vermutlich eine Blattverbänderung von 'California'. Das heißt, die Blätter haben in etwa die Form und das Aussehen der Blätter von 'California', aber es gibt eine Fasciation oder Bündelung von Gewebe an der Basis des Blattes. Dort wirken Blattspreite und Blattstiel wie stark zusammengequetscht.
Auffällig sind an der Sorte auch die Auswirkungen auf Blattform- und Größe welche durch saisonale Schwankungen hervorgerufen werden. Diese Abweichungen umfassen Veränderungen in der Größe und Gleichmäßigkeit der Blätter, die Länge des Stiels, die Anzahl und Breite der Lappen, den Grad der Kräuselung und die Stärke der Venen.
Bei ‘Telecurl‘ ist so der Grad der Lappung, d.h. ob die Lappen flach oder tief eingeschnitten sind, abhängig vom Wuchsverhalten. Bei langsamem Wachstum unter kühlen Temperaturen sind die Blätter kleiner, eher 5-lappig, deutlich gelappt und mit ausgeprägten Wellen und Locken an den Lappen. Wächst die Sorte schneller, wie etwa im Sommer, können die Blätter von ‘Telecurl‘ denen der Sorte 'California' ähneln, sie sind größer, haben weniger und flachere Lappen, und die Blätter sind weniger lockig als im Frühjahr.

Die Sorte eignet sich gute als Topf- und Ampelpflanze sowie für den Formschnitt. In der Zimmer- oder Topfkultur zeigt diese Sorte oft die Tendenz zu schwächerem Wuchs mit kleineren Blättern und reichlicherer Verzweigung. Da der Efeu zur California-Rasse gehört ist die Winterhärte mit nicht bis wenig winterhart zu bewerten (0-X).  Allerdings könnte mit entsprechendem Winterschutz eine Freilandkultur zur Berankung kleiner Flächen ausprobiert werden.

Lit:
Morris Arboretum Bulletin, May, 1956, Vol. 7, Number 2
Alfred Byrd Graf, 1963, Exotica 3, Roehrs Company, Rutherford, N.J., USA, S.1627
Suzanne Warner Pierot, 1974, The Ivy Book, The Growing and Care of Ivy and Ivy Topiary, Macmillan Publishing Co., Inc., New York, USA, S.52-54
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.107-108
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.52
Ingobert Heieck, 1991, Efeu Alter Klettermaxe immer jung - Sortiment für das Zimmer Teil I, in: Gartenbau & Gartenwelt 1991 Nr.11, S. 571 - 579
Sabina Mueller Sulgrove, 1992, Oldies but Goodies: Hedera helix cv. Telecurl, in: Ivy Journal 1992 Vol. 18 S. 26-33
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.119
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA

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