Hedera helix 'Teneriffe'

Die Benennung der Sorte ist interessant und etwas verwirrend. Nachfolgend soll versucht werden die nomenklatorische Geschichte der Pflanze anhand zeitlicher Abläufe wiederzugeben.

Eine Sorte ‘Microphylla Picta‘ wird schon 1862 im Katalog von Haage u. Schmidt in Erfurt angeboten, leider findet sich zu der Pflanze keine genauere Beschreibung. Es ist nur bekannt, dass es eine kleinblättrige, vielfältige Form von Hedera helix  war. Tobler (1912, 1927) bezieht sich ebenfalls auf diese Quelle, erwähnt aber zusätzlich eine Buntblättrigkeit. In den nachfolgenden Jahrzehnten tauchte der Name nirgendwo mehr auf.

Ingobert Heieck, Heidelberg, erhielt 1966 von einem Gärtner einen unbenannten Efeu aus Spanien, welcher dort wild wuchs aber offensichtlich eine kultivierte Pflanze war. Weil Heieck zuvor einen ähnlichen, grünen Efeu in einer belgischen Gärtnerei unter dem Namen 'Minor‘ gesehen hatte, beschloss er den Fund wegen der gesprenkelten Blättern (Marmorata bedeutet marmoriert oder gesprenkelt) ‘Minor Marmorata' zu nennen. Später bemerkte Heieck, dass dieser Name schon für eine andere Sorte vergeben war. Er sendete die Pflanze auch nach England, mit dem Hinweis der unbekannten Herkunft.

1968 sammelte Terry Jones einen kleinen, buntblättrigen Efeu, welcher nahezu identisch war mit Heiecks Pflanze, in Teneriffa auf den Kanarischen Inseln. Da er ihn nicht identifizieren konnte, sendete Jones eine Probe zum damaligen Präsidenten der Englischen Efeugesellschaft, Stephen Taffler. Dieser kannte auch keine vergleichbare Sorte und gab dem Efeu in Anlehnung an den Fundort 1981 den vorläufigen Namen 'Teneriffe'.

Peter Q. Rose ist 1994 der Meinung, dass für Heiecks namenlose Pflanze von 1966 und Jones Fund von 1968, welche identisch sind, nicht der Name 'Teneriffe' verwendet werden soll, sondern die alte Bezeichnung ‘Microphylla Picta‘ von 1862. Er begründet dies damit, dass der Name ‘Microphylla Picta‘ sich nur auf einen kleinen gepunkteten Efeu beziehen kann, eben jenen, der in den 1960er Jahren an 2 verschiedenen Standorten in Südwesteuropa gefunden wurde. Rose argumentierte auch, Heieck hätte seine Sorte unter ‘Microphylla Picta‘ in seinem Buch “Hedera Sorten“ beschrieben, und der Efeu von Jones sei nach dem Auftauchen von Heiecks identischer Pflanze mit dieser gleich zu setzen. Außerdem ist es ein alter Hedera helix Typ, welche ursprünglich gar nicht auf Teneriffa heimisch ist, daher wäre die Bezeichnung 'Teneriffe' nicht wirklich geeignet.

Gegen Roses Argumentation sprechen einige Tatsachen.
Die Sorte ‘Microphylla Picta‘ wurde 1862 nur in einem Katalog erwähnt, aber nie beschrieben. Es ist daher reine Spekulation, anzunehmen, dass die Funde von 1966/68 mit ‘Microphylla Picta‘ gleich zu setzten sind. Man kann heute unmöglich wissen wie die Pflanze vor 150 Jahren ausgesehen hat, wenn keine genaue Beschreibung vorliegt, geschweige denn Herbarium-Belege.
Hedera helix ist zwar sicher nicht eine ursprüngliche Pflanze der Insel Teneriffa, aber die Sorte 'Teneriffe' wurde damals als eine von drei bis vier Efeusorten von vielen spanischen Gärtnereien ohne Bezeichnung angeboten und in mehreren Landesteilen kultiviert. Von daher wäre das Argument  von Rose zum fehlendem lokalen Bezug der Pflanze zumindest diskussionswürdig.
'Teneriffe' wurde auch nicht als “wiedergefundene“ ‘Microphylla Picta‘ in Heiecks Buch “Hedera Sorten“ zuerst beschrieben, Heieck zitiert dort nur in einem Artikel zu ‘Microphylle Variegata‘ die Angaben von Haage u. Schmidt, Erfurt, von 1862 zu ‘Microphylla Picta‘. Heieck hat auch nie den Namen 'Teneriffe' zu ‘Microphylla Picta‘ zugeordnet. Das lateinische Wort Picta bedeutet gemalt und hat nichts mit den Flecken in 'Teneriffe' zu tun, auch sonst gibt es keine Verbindung von ‘Teneriffe' zu der Bezeichnung ‘Microphylla Picta'. Daher gibt es keinen Anlass, den alten Namen 'Microphylla Picta' wieder zu beleben.

Eine erst Beschreibung von 'Teneriffe' erfolgte 1983 von Garry Grüber in seiner Diplomarbeit an der Schule in Geisenheim. Er verwendete dazu Tafflers Name für Heiecks Sorte, da beide Pflanzen identisch waren.  Also hat der Name Vorrang vor anderen Schreibweisen wie 'Tenerife' (Rose1995) oder ‘Tenerif‘.
Da es eine Erstbeschreibung der Sorte gibt und das Aussehen von ‘Microphylla Picta‘ in der Literatur nicht belegt ist, sollte daher der richtige Name 'Teneriffe' sein, mit 'Tenerife' und ‘Tenerif‘ als Synonym.

1988 gelangte der Efeu von Ingobert Heieck zur Amerikanischen Efeugesellschaft (AIS) und erhielt dort die Erwerbsnummer AIS 88-136 und die Registrierungsnummer 9888136. Im Pierot Classification System wird der Efeu als Variegated Ivies (V) geführt, was bedeutet, dass das Blatt mehrfarbig ist.

Die Pflanze hat einen schwachen bis mittelschwachen, rankenden Wuchs und ist mäßig selbstverzweigend. Wird der Efeu nicht verschnitten, bilden sich lange Ranken. Ein regelmäßiger Verschnitt fördert allerdings die Verzweigung. Die drahtigen Triebe sind lila-grün bis bräunlich, einige sind grau-rot, die Internodien sind 1 bis 4 cm. Die lila-grünen Blattstiele haben eine Länge von 1-2 cm, bei größeren Blättern könne sie bis etwa 5-6 cm lang werden. Die kleinen Blätter sind grundsätzlich 3-lappig, selten 5-lappig, zuweilen sind Basallappen nur angedeutet. Die Ausbuchtungen sind sehr flach, so dass die Blattform nahezu ungelappt aussieht. Die Laterallappen sind nach außen gerichtet, der Winkel beträgt etwa 70-80° vom Terminallappen, während die Basallappen etwa um 100-105° vom Terminallappen wegstehen. Fast alle Blätter sind flach, vor allem diejenigen, die wenig grün gefärbt sind. Grünere Blätter sind entlang aller Lappen leicht nach oben gefaltet. Die Blattgröße beträgt in der Regel 1,5-2 x 2-3,5 cm. Ein paar verstreute Blätter sind etwas größer. Die Blattspitzen sind stumpf, die Blattbasis ist gestutzt bis herzförmig.

Die Grundfarbe der Blätter ist dunkelgrün und hell-mittel graugrün. Die Menge der Grünfärbung auf den Blättern variiert stark. Einige Blätter sind mit großen Flecken in Kombinationen mit den Grün- und Grautönen bedeckt. Andere Blätter sind nur zur Hälfte grün gefärbt, manche sind fast nur cremefarben. Die Blätter haben eine unregelmäßig breite Randzone, welche sich in voller Sonne hellgelb und im Schatten cremefarben bis fast weiß färbt. Auf diesen Bereichen bilden sich kleine grüne Punkte. Diese erscheinen auf fast allen Blätter von 'Teneriffe'. Sie sind rund oder fast rund, und selten größer als ein Millimeter im Durchmesser. Diese sind zugleich auch das unverwechselbare Sortenmerkmal. Unter kühler Witterung können die Blatträder manchmal rosa angehaucht sein.

Der Efeu ist ein nicht ganz winterharter Hedera helix Typ. Daher sollten bei Berankungen im Freiland nur Stellen ausgewählt werden, welche nicht der Wintersonne ausgesetzt sind. Für raue Klimate ist 'Teneriffe' nicht sehr geeignet. Ansonsten eignet sich der Efeu als Bodendecker in geschützten Lagen oder als Blumenampel und Topfpflanze für Innen und Außen.
'Teneriffe' ist zwar eine sehr stabile Sorte, allerding sollten grüne oder andersfarbige Triebe entfernt werden, um das Erscheinungsbild der Sorte zu erhalten

Lit:
Friedrich Tobler, 1912, Die Gattung Hedera, Verlag Gustav Fischer Jena
Friedrich Tobler, 1927, Die Gartenformen der Gattung Hedera, in: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Jahrbuch 1927, S.1 – 33
Ingobert Heieck,1983, 7. Gesamtliste 1982/83, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen
Stephen S. Taffler, 1984, Some ivies in my collection and as yet un-named, in: The Ivy, Journal of the British Ivy Society, Vol. 7 No. 1, Summer 1984, S. 27
Ingobert Heieck, 1990, Der Efeu auf unseren Friedhöfen, Geeignete Sorten, Anzucht, Kultur und Verwendung, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg 1990,  S.7-18
Ingobert Heieck, 1992, Schöne Efeus, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.44
Peter Q. Rose, 1994, Peter Q. Rose Comments on ‘Tenerife’, Where was ‘Microphylla Picta‘?, in: Journal of the British Ivy Society, Vol. 17, Part Two, December 1994, S. 20-21
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.96
Cliff L. Coon, 1998 New Registrations: Hedera helix ‘Teneriffe‘, in: Ivy Journal 1998 Vol. 24, S. 16-23
Sabina Mueller Sulgrove, 1998, Nomenclatural Notes, The Nomenclatural History of ‘Teneriffe‘, in: Ivy Journal 1998 Vol. 24, S. 22-23
Sabina Mueller Sulgrove, 1999, Hedera helix ‘Teneriffe‘, in: Ivy Journal 1999 Vol. 25 S. 48-50

  • Hedera helix 'Teneriffe' 02 (1)
  • Hedera helix 'Teneriffe' 03 (1)
  • Hedera helix 'Teneriffe' 03 (3)
  • Hedera helix 'Teneriffe' 09 (3)
  • Hedera helix 'Teneriffe' 09 (4)
  • Hedera helix 'Teneriffe' 15 (1)
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