Hedera helix 'Thorndale'

Die Herkunft dieser Sorte ist nicht genau bekannt, offenbar wurde ‘Thorndale‘ in den späten 1940er Jahren von Thorndale Farm, Woodstock, Illinois, USA, eingeführt und war im Mittleren Westen ein beliebter Bodendecker. Die heute nicht mehr existierende Firma befand sich nordwestlich von Chicago und war auf die Kultur von winterharten Rankpflanzen und Bodendeckern spezialisiert. Im November 1949 gelangte der Efeu unter dem Namen ‘Thorndale Subzero' von der Thorndale Farm zum Morton Arboretum nach Lisle, Illinois.

Von William Weers, dem Besitzer der Thorndale Farm, ist 1953 näheres zu der Pflanze zu erfahren. Er erwähnt in seinem Katalog die außerordentliche Winterhärte von dem damals ‘Thorndale Sub Zero‘ bezeichneten Efeu. Danach hatte die Mutterpflanze seit 1929 die harten Winter von Chicago ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen überstanden. Ableger der Pflanze wurden in verschiedenen Anbaugebieten getestet und entwickelten sich gut, abgesehen von einigen Blattschäden konnten weder Temperaturen unter -20°C noch Eis, Regen und Dauerfrost dem Efeu größere Schäden zufügen. Nach Weers Darstellung soll ‘Thorndale Sub Zero‘ in der Winterhärte angeblich sogar die Sorte ‘Baltica‘ übertreffen. In dem oben genannten Katalog ist auch eine Abbildung zu sehen, welche mit der heute bekannten Sorte ‘Thorndale‘ identisch ist.
Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft ist die Sorte mit der Erwerbsnummer AIS 91-118 gelistet. Im Pierot Classification System wird der Efeu als Ivy-Ivies (I) geführt, was bedeutet, dass das Blatt in der Form einem typischen Efeublatt ähnlich ist.

Der Wuchs ist mittelstark, nicht selbstverzweigend, es bilden sich lange kräftige Ranken, welche besonders den Boden dicht bedecken. Das Klettervermögen hingegen ist mittelmäßig da die Triebe nur eine geringe Neigung zum Anhaften haben. Die Triebe sind lila-grün, die Internodien sind 5-7cm. Die lila-grünen Blattstiele sind 1-1,5 Mal so lang wie die das Blatt und haben etwa eine Länge von 6-8 cm. Die großen bis mittelgroßen Blätter sind 5-lappig ein wenig breiter als lang. Die Blattgröße beträgt 5-12 x 5-14 cm, junge und ältere Blätter sind weitgehend einheitlich in Größe und Form. Die Terminal- und Laterallappen sind breit, die Basallappen sind oft klein, flach und unauffällig oder verkümmert, was dann dem Blatt eine dreieckige Form verleiht. Die Blattspitzen sind stumpf bis spitz, die Blattbasis ist herzförmig. Die Blatträder sind leicht gewellt. Auf den dunkelgrünen Blättern können sich im Winter unter kühlen Temperaturen braun-schwarze Flecken bilden. Die deutlich sichtbaren hellgrünen Nerven sind leicht erhaben, im Winter leuchten sie immer weißlich.
Was die Verwendung betrifft, machen die großen Blätter mit den hellen Adern und die gute Winterhärte ‘Thorndale' zur verbesserten H. hibernica. Die Sorte ist besonders gut als Bodendecker in sehr kalten Klimaten geeignet, weniger für Wand- oder Fassadenbegrünung.

‘Thorndale’ hat zu Hedera hibernica nur geringe Abweichungen in Wuchs, Blatt Farbe und Form aufzuweisen und ist dieser sehr ähnlich, möglicherweise besteht ein enges Verwandtschaftsverhältnis zwischen diesen beiden Pflanzen.
Die Unterschiede zwischen Hedera hibernica und Hedera helix ‘Thorndale‘ sind sehr subtil und am besten zu sehen, wenn sie nebeneinander kultiviert werden, da die Eigenschaften wie Dicke und Größe der Blätter und der Grad des Glanzes der Blattoberfläche abhängig vom Standort sind. Pflanzen von H. hibernica haben im Vergleich zu 'Thorndale' hat etwas dickere Blätter, Blattstiele und Stängel, außerdem sind die Blätter von H. hibernica glänzender und oft leicht nach oben gewölbt.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur H. hibernica besteht neben den leicht gewellten Blatträndern vor allem in der wesentlich besseren Winterhärte von ‘Thorndale‘. Diese wurde 1967/68 von P.L. Steponkus und F.O. Lanphear getestet und in “Plant. Physiol.“ veröffentlicht. Außerdem ist 'Thorndale' weniger anfällig für Blattflecken ist als H. hibernica.
In sonnigen Bereichen ist es praktisch unmöglich 'Thorndale' von Hedera hibernica zu unterscheiden, weil sich dann die Blätter dicker und gewölbt ausbilden. Darüber hinaus variieren die Form der Blätter und das Länge-Breite-Verhältnis je nachdem, ob die Triebe den Boden bedecken, eine Wand oder einen Baum bewachsen oder nach unten hängen. Wand oder Baum berankende Efeus haben die Neigung mehr längliche Blätter zu bilden.

Einige andere, ähnliche winterharte Sorten sind 'Baltica' und 'Woerner'. Während 'Baltica' über kleinere Blätter verfügt, ist 'Woerner' breiter als lang wie 'Thorndale', die Blätter neigen oft dazu eine breit herzförmige oder dreilappige Form zu bilden.
Im Gegensatz zu 'Thorndale' färbt sich 'Woerner' unter kühlen Witterungseinflüssen lila, während 'Thorndale ein schwärzlich-grünes Winterkleid bevorzugt. H. hibernica hingegen ist in der Jahreszeit nur dunkelgrün, oder wenn die Bedingungen optimal sind, rotbraun.
Ein weiterer Efeu, welcher nahezu identisch ist im Aussehen wie 'Thorndale', war mit der Bezeichnung ‘Alaska‘ vermutlich schon in den 1970er Jahren in den USA in Umlauf.  Vermutlich wurde ‘Alaska‘ aus ‘Thorndale‘ ausgelesen, die Sorte soll weit widerstandsfähiger sein als die Elternpflanze ‘Thorndale‘.

In diesem Zusammenhang sei noch auf Hedera helix ’Port Nancy’ hingewiesen, diesen Efeu erhielt Ingobert Heieck, Gärtnerei Stift Neuburg, Heidelberg1982 von Alison Rutherford, Helensburgh, Schottland. Die Sorte wird in Heiecks Gesamtliste 1982 ohne weitere Angaben aufgeführt, in seinen späteren Publikationen taucht sie dann nicht mehr auf. In „“Ivies“ von Jane Fearnley-Whittingstall wird ’Port Nancy’ 1992 als ähnliche Sorte wie ‘Thorndale‘ geführt. Andere Autoren erwähnen diese Sorte nicht, somit kann über den Status von ’Port Nancy’ nur spekuliert werden. Vielleicht ist es eine Efeu mit einer geringfügig anderen Blattform wie ‘Thorndale‘, oder er ist mit ‘Thorndale‘ identisch.

Lit:
Ingobert Heieck,1983, 7. Gesamtliste 1982/83, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.52
Jane Fearnley-Whittingstall, 1992, Ivies, Random House New York, USA, S.142,148
Sabina Mueller Sulgrove, 1992, Traditional Ground Covers II: Hedera helix cv. Thorndale, in: Ivy Journal 1992 Vol. 18, S. 34-40
Suzanne Warner Pierot, 1995, The Ivy Book, The Growing and Care of Ivy, Macmillan Publishing Co. Inc., New York, USA, S.136-137
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.119
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA

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  • Hedera helix 'Thorndale' 08 (6)
  • Hedera helix 'Thorndale' 14 (2)
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