Hedera hibernica 'Rottingdean'

Der Efeu wurde 1964 von G. Jackman & Sons Ltd, Woking, Surrey, England eingeführt, Roland Jackman fand ihn in Rottingdean, einem östlichen Vorort von Brighton, Sussex, England. Rose spekuliert 1982 in seinem Buch “Efeu“, dass die von Jackman gefundene ‘Rottingdean’ der ursprünglich beschriebene ’Digitata’ von Loddiges und Hodgens entspricht, und die zu dieser Zeit im Handel befindliche ’Digitata’ sei die 1867 von Paul beschriebene kleinblättrigere ‘Digitata Nova‘. Er begründet seine Vermutungen mit dem allmählichen Verschwinden der ‘Digitata Nova‘ aus dem Gartenhandel. Auch Paul hat in seinen Aufzeichnungen zu ‘Digitata Nova‘ festgestellt, dass es kaum noch Gärtnereien gibt welche ‘Digitata Nova‘ in ihren Katalogen haben, sondern unter ’Digitata’ Kultivare anbieten. So ist es möglich, dass im Handel ‘Digitata Nova‘ durch den Namen ’Digitata’ abgelöst wurde und mit der ‘Rottingdean’ die alte, ursprüngliche ’Digitata’ wieder gefunden wurde. 

Nach einer Chromosomenuntersuchung in den 1970’er Jahren durch McAllister wurde festgestellt, dass ’Digitata’ (und damit auch “Rottingdean“) Tetraploid ist (2n = 96). Der Efeu wird daher und aus anderen Gründen als Sorte von H. hibernica betrachtet.


Unklar ist welche Sorten sich bis heute bei uns erhalten haben. Da die in unseren Sammlungen vorhandene ’Digitata’ eher großblättrig und schnellwüchsig ist, unsere ’Rottingdean’ aber mehr über einen kleinblättrigen und mittelschnellen Wuchs verfügt, bleibt offen ob es sich um die ursprünglich beschriebenen Sorten handelt. Unsere Pflanzen sind aus der Sammlung von Ingobert Heieck; ’Rottingdean’ erhielt er 1979 von Peter Q. Rose, ’Digitata’ 1978 vom Research Center der amerikanischen Efeugesellschaft in Dayton, Ohio, USA, und eine weitere als ’Digitata’ (Hibberd) bezeichnete Pflanze entstammt einer Englandreise von Garry Grüber aus dem Jahr 1982.

Heieck stellt in “Hedera Sorten“ (1987) für seine ’Digitata’ fest, dass die Sorte wesentlich kleinblättriger ist als die bei Hibberd (1872) abgebildete (“Original“) ’Digitata’, Heiecks ’Rottingdean’ hingegen entspricht schon eher Hibberds ’Digitata’. In einem Artikel über (die eher kleinblättrige) ’Crenata’ ordnet er dieser ’Digitata Nova’ als mögliches Synonym zu. Damit stützt Heieck Roses Vermutungen, die vorhandene ’Rottingdean’ entspreche der Original ’Digitata’ (der Name wäre damit nur ein Synonym von ’Digitata’), und ’Digitata Nova’ sei eine kleinblättrige ’Digitata’ Variante.

Widersprüchlich ist nun die Tatsache, dass die heute in unseren Sammlungen vorhandene, eher kleinblättrige ’Rottingdean’ Heiecks Angaben zufolge eigentlich die (großblättrigen) richtige ’Digitata’ sein müsste, und unsere großblättrige ’Digitata’ bei Heieck eher kleinblättrig war. Die Rückverfolgung der genauen Herkunft unserer ’Digitata’ ist nicht mehr möglich. Wir haben uns daher entschlossen die in unseren Sammlungen vorhandene ’Digitata’ wegen ihres identischen Habitus mit dem in der Erstbeschreibung erwähnten Efeu als korrekte Pflanze für diese Sorte anzusehen und unsere ’Rottingdean’ als einen möglichen ’Digitata’-Klon zu führen.

Die Verwechslungen bzw. die unklare Zuordnung der fingerförmigen Efeusorten ist vor allem darauf zurück zu führen, dass sich die jungen Blätter der einzelnen Pflanzen sehr ähnlich sehen und ihre markanten Unterschiede erst im Alter ausbilden.
Mittelfristig sollte eine gründliche Untersuchung und vergleichende Pflanzung der Sorten ’Digitata’, 'Crenata', ’Corrugata’, ‘Mrs. Pollock‘, ’Palmata’, 'Pennsylvanica' und ’Rottingdean’ die einzelnen Unterschiede der Efeus klar herausstellen, auch um festzustellen welche Sorten tatsächlich noch in den Sammlungen vorhanden sind, und bei welchen die ursprünglich beschriebene Struktur verloren gegangen ist, bzw. wo eine falsche Benennung vorliegt.

Der Efeu verfügt über einen kräftigen Wuchs mit ziemlich kurzen, aber reichlich verzweigenden Ranken. Die Triebe sind grün-lila, die Internodien 3-5 cm. Die Blattstiele sind grün-lila. Die meist 5-lappigen, glänzenden Blätter haben eine Größe von 7-9 cm x 7-10 cm und sind fingerförmig. Der Terminallappen ist etwas länger als die zwei Laterallappen, die Basallappen sind gut bis wenig ausgebildet. Die Blattspitzen sind spitz, die Blattbasis ist gestutzt oder sehr leicht herzförmig. Die Blätter besitzen enge Einbuchtungen, welche am Tiefpunkt gewellt sind. Andere Blätter besitzen breite Einbuchtungen, folglich sind die Lappen weniger gespalten. Die Lappenbreite kann sehr variabel sein. Die Blattfarbe ist dunkelgrün, im Winter rotbraun zwischen den Nerven. Die dunkelgrünen Adern sind nicht erhabenen.
Mit der guten, dekorativen Wirkung von Blatt und Pflanze kann der Efeu im Freiland zur Begrünung von Mauern, Zäune, Bäume und als Bodendecker für kleinere Flächen verwendet werden.

Lit.
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.48
Ing. G. Fortgens & H. J. van de Laar, 1989, Hedera (winterharde bodembedekkers), Dendroflora 26, S.43 – 66
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.128
Laurence C. Hatch, 2000, Website IVYfile, New Ornamentals Society, Raleigh, North Carolina, USA

  • Hedera hibernica 'Rottingdean' 10 (1)
  • Hedera hibernica 'Rottingdean' 10 (2)
  • Hedera hibernica 'Rottingdean' 10 (3)
  • Hedera hibernica 'Rottingdean' 10 (4)

 

 

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