Hedera hibernica 'Sulphurea'

Schon Hibberd beschrieb in seinem Buch ’The Ivy’ 1872 diesen Efeu (als H. helix), auch die Baumschulkataloge jener Zeit führten ihn. Sulphur bedeutet Schwefel und bezieht sich auf die schwach gefärbten Blattränder. In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg verschwand die Sorte allmählich aus den Angeboten der Gärtnereien, wahrscheinlich mangels Nachfrage, und es hatte den Anschein als wäre sie verloren gegangen.

Erst im Frühjahr 1972 erhielt Peter Q. Rose eine identische Pflanze von Merrist Wood. Mitarbeiter des Pershore Agricultural College, einer landwirtschaftlichen Schule in Pershore, hatten die Pflanze beim Spetchley Manor in der Nähe von Evesham, Worcestershire, England, entdeckt. Dies ist ein Herrschaftshaus, dessen Gärten weitgehend um die Jahrhundertwende angelegt wurden. Von dort wurde der Efeu als ‘Spetchley Variegated‘ in Umlauf gebracht. Nach einiger Zeit wurde aber der richtige Name bemerkt und 1975 wird der Efeu in der Februar-Ausgabe des RHS-Journals unter der korrekten Bezeichnung ’Sulphurea’ beschrieben. Peter Q. Rose’s Verdienst ist es, die scheinbar verloren gegangene 'Sulphurea ' in der "Spetchley-Pflanze" wieder gefunden zu haben. 1974 wurde die Sorte auch von H.J. van de Laar, Niederlande, auf einer alten Mauer in Bernay (Département Calvados), in der Normandie in Frankreich gefunden.

Ende der 1970er Jahre haben Chromosomenuntersuchungen ergeben, dass H. hibernica und mit ihr die Sorte ‘Sulphurea’ Tetraploid ist (2n = 96), im Gegensatz zu H. helix welcher Diploid ist (2n = 48). Aus diesem und anderen Gründen erlangte H. hibernica den Artstatus.
Synonyme von ’Sulphurea’ sind 'Marginata canescens' und 'Marginata argentea' (Hibberd 1872), 'Marginata Robusta' (Paul 1867) 'Aureo-variegata' (Lawrence/Schulze 1942) und die schon erwähnte 'Spetchley Variegated'.

In den USA wurde der Efeu von der Amerikanischen Efeugesellschaft mit der Erwerbsnummer AIS 79-215 gelistet. Im Pierot Classification System wird diese Sorte als Varigated Ivies (V) geführt, was bedeutet dass das Blatt mehrfarbig ist.

Die Sorte hat einen rankenden, dichten Wuchs und ist nicht selbst verzweigend. Die Triebe sind hellgrün-violett, die Internodien 2,5 bis 3 cm. Die Blattstiele sind ebenfalls hellgrün-violett. Die Blätter sind grundsätzlich unregelmäßig 3 lappig, oftmit angedeuteten Lappen in Verlängerung der Haupt- oder Nebenvenen. Die Enden der Lappen sind spitz bis stumpf. Die Blattgröße beträgt 4 bis 7 x 6 bis 8 cm. Die Einbuchtungen sind flach oder gar nicht vorhanden, dann wirkt das Blatt ungelappt. Die Blattbasis ist herzförmig bis gestutzt. Die Blattoberfläche ist runzelig, gewellt und unregelmäßig gefaltet. Das Blatt kann konkav oder konvex gewölbt sein. Dadurch wirkt es im Zusammenhang mit der undeutlich ausgeprägten Lappung missgestaltet oder krank, vielleicht ist dies ein Grund warum der Efeu kaum Verbreitung gefunden hat.

Ein typisches Kennzeichen dieser Sorte ist eine häufig auftretende öhrchenartige Ausbuchtung, meist auf der rechten Seite der Blattbasis vom Blattstiel aus gesehen. Das Blatt ist grün-grau gefärbtmit einigen dunkleren Flecken. An älteren Blättern können die Flecken eine graue und schwefelfarbene Tönung annehmen. Eine creme-gelbe schmale Panaschierung tritt meist unregelmäßig verteilt am Blattrand auf. Bei kaltem Wetter können sich Blattränder und Venen rosa verfärben. Wahrscheinlich steht die unregelmäßige Blattform mit der Panaschierung in einem Zusammenhang, da einige Gewebeteile des Blattes neben der Verfärbung auch geschrumpft sind. Mit zunehmender hellerer Färbung eines Blattes reduziert sich die betreffende Gewebepartie. Im Gegensatz zu anderen mehrfarbigen H. hibernica Sorten besitzt ’Sulphurea’ nicht die Neigung seine Färbung zu minimieren oder ganz zu vergrünen. Trotzdem ist ein heller Standort für die bessere Ausfärbung der Blatter förderlich. Verwendung findet der Freilandefeu zur Flächenbegrünung in sonniger bis halbschattiger Lage, dort bildet er ein etwa 15 cm hohes Polster. Außerdem ist die Sorte für Berankungen von Mauern an schattigen Stellen gut geeignet. ’Sulphurea’ hat eine für H. hibernica recht gute Winterhärte, vergleichbar mit dem gewöhnliche Hedera helix.

Lit.
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Ulmer Verlag, Stuttgart, S.106-107
Laurence C. Hatch, 1984,  December 1984 Featured Ivy: Hedera helix subsp. hibernica cv. Sulphurea, in: Ivy Journal, December 1984, Vol. 10 No. 3, S. 29 – 33
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.77
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.128
Ing. G. Fortgens & H. J. van de Laar, 1989, Hedera (winterharde bodembedekkers), Dendroflora 26, S.43 – 66

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