Hedera hibernica 'Tesselata'

Erstmals erwähnt wird die Sorte im August 1893. In dem Jahr vergab das Floral Committee der Royal Horticultural Society einen Award of Merit an einen Efeu von Miss Browning-Hall, Algier. Die Pflanze wurde damals in verschiedenen Publikationen beschrieben, so1893 in “The Garden“ als auch in "The Gardener's Chronicle“ und 1894 in “The Garden“ sowie in “Journal of Horticulture“. In letzterem Journal wurde der Efeu auch abgebildet. Außerdem gibt es in einem Herbarium von Kew Garten, London, Unterlagen zu der Sorte, datiert vom 5. November 1893. Darin befindet sich ein einzelnes Blatt von ’Tesselata’ zusammen mit zwei Briefen von Barr & Son, Covent Garden, London.

Die Pflanze wurde als auffallende, gelb getönte, breitblättrige Form des gemeinen Efeus charakterisiert. Die drei lappigen Blätter sind mit gelben netzartigen Venen versehen, wie es vom bunten japanischen Geißblatt Lonicera brachypoda ’Aurea-reticulata’ bekannt ist, mit der Zeit verliert sich die Gelbfärbung, die Blätter vergrünen. Der Sortennamen bezieht sich auf die markante Aderung, diese werden auch als Tesselate Formen bezeichnet (lat. Tessell = Mosaik).

Merkwürdigerweise wird die Sorte in der nachfolgenden Zeit nicht mehr erwähnt und es hat den Anschein sie sei verschwunden. Außer einer Beschreibung von Nicholson 1901 in einem Nachtrag seines berühmten Werkes “Dictionary of Gardening“ und den Wiederholungen des Namens von Tobler (1912,1927) und von Lawrence & Schulze (1942) in ihren Listen gibt es keine Erwähnungen mehr in Artikeln oder Katalogen.
Der Grund für den Niedergang der Sorte könnte ein Arabis-Mosaik-Virus sein. Zu den Symptomen zählen unter anderem eine teilweise oder vollständige Gelbverfärbung der Blattspreite. Arbeiten von Clark (1975) und Campbell, Großbritannien, haben den viralen (Virus) Ursprung bestimmter chlorotischer Arten von Hedera Färbungen gezeigt. Es kann daher möglich sein, dass die Symptome durch die Infizierung des Efeus mit dem Arabis Mosaic Virus hervorgerufen wurden, die den Ausschuss der Royal Horticultural Society im August 1893 so beeindruckt haben.

Der 1965 in Rothschilds Garten in Nizza, Frankreich, von Stephen Taffler, Präsident der ehemaligen britischen Efeu Gesellschaft, gefundene auffallend gelb geaderte Efeu erwies sich nach seiner weiteren Kultivierung genauso instabil wie der von Peter Rose, Großbritannien, welchen er 1976 im Garten von Chatsworth in Yorkshire fand, aus beiden Pflanzen entwickelten sich normale grünblättrige H. helix.
Die drei dokumentierten Funde haben einen gemeinsamen Faktor: die Temperatur. Die Wärme von Algier und im Süden Frankreichs, und die sehr hohen Temperaturen im Sommer 1976 in Großbritannien trugen wahrscheinlich zu der Blattverfärbung von ’Tesselata’ bei.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die oben beschrieben Blattfarbe von ’Tesselata’ nicht dauerhaft ist, sondern nur ein vorübergehender Zustand, möglicherweise verursacht durch eine Kombination aus Viren oder durch hohe Temperaturen.
Nach einer Chromosomenuntersuchung in den 1970’er Jahren durch McAllister wurde festgestellt, dass die dort als ’Tess’ bezeichnete Sorte Tetraploid ist (2n = 96). Der Efeu wird daher und aus anderen Gründen als Sorte von H. hibernica betrachtet.

Von Ronald Whitehouse wurde ein Efeu auf den die Beschreibung von ’Tesselata’ zutrifft 1980 wieder im Süden von Frankreich gefunden. Da sich die Efeuexperten dieser Zeit aber nicht sicher waren und die Pflanze nicht mit dem Herbarbeleg von Kew aus dem Jahr 1893 genau übereinstimmt, entschied man sich als Kompromiss für den Sortennamen ’Tess’. Die Bezeichnung bürgerte sich in Großbritannien ein und wurde in den Katalogen von Whitehouse und Fibrex als auch von Peter Rose in seinem Buch “Ivies“ (1996) verwendet.

Der heute wieder als ’Tesselata’ bezeichnete Efeu wurde von der Amerikanischen Efeugesellschaft mit der Bestandsnummer AIS 79-286 und 94-048 gelistet und wird im Pierot Classification System als Ivy-Ivies (I) geführt, was bedeutet, dass das Blatt in der Form einem typischen Efeublatt ähnlich ist.

Die rankende Pflanze hat violett-braune Triebe, der Internodienabstand beträgt 2-3 cm. Die Blattstiele sind ebenfalls violett-braun. Die breit herzförmigen, 3 lappigen Blätter haben eine Größe von 4-6 x 4-7 cm. Die Blattbasis ist leicht herzförmig, die Blattspitzen sind stumpf, die Ausbuchtungen zwischen den Lappen sind flach. Die Blätter sind dunkelgrün, der teilweise gelbe Neuaustrieb dagegen hat kontrastreiche weiße bis gelbe Adern an jüngeren Blättern und vermittelt so einen netzartigem Hintergrund, später vergrünen die Blätter. Wuchseigenschaften, Vitalität und Winterhärte von ’Tesselata’ sind vergleichbar mit dem gewöhnlichen Hedera helix, die Sorte kann daher wie dieser verwendet werden.

Lit:
Friedrich Tobler, 1912, Die Gattung Hedera, Verlag Gustav Fischer Jena
Friedrich Tobler, 1927, Die Gartenformen der Gattung Hedera, in: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Jahrbuch 1927, S.1 – 33
Hugh McAllister, Chromosomenuntersuchung 1976
Peter Q. Rose, 1983, The Ivy That Never Was, in: Ivy Journal September 1983 Vol. 9 No. 3  S. 31 – 35
Ronald Whitehouse, Catalogue 1994, Whitehouse Ivies, Brookhill, Fordham, Colchester, UK
Fibrex Nurseries, 1995, Hardy Fern and Ivy Catalogue, Fibrex Nurseries Ldt., Pebworth, UK
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.119
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA
2010, Photos of Hedera Species except Helix, in: Ivy Journal Spring 2010 Volume 36, S. 28


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