Hedera iberica

Hedera iberica wurde von Allan McGregor Stirling im April 1974 in Südspanien in der Provinz Málaga am Straßenrand zwischen Los Barrios und Alcalá de los Guzales gefunden, im Inland von Algeciras in dem milden Miel Valley. Er brachte die Pflanze mit nach Großbritannien, dort wurde sie von Alison Rutherford und Hugh McAllister, Liverpool untersucht und beschrieben. Sie ist Hexaploid (2n = 144) und wurde als Subspecies des Madeira Efeus angesehen und daher 1993 als Hedera maderensis K. Koch ex Rutherford ssp. iberica McAllister bezeichnet.

Der Madeira Efeu kommt endemisch auf den Inseln Madeiras vor, hat aber seine nächsten Verwandten im Südwesten Spaniens und in  Portugal, wo er in feuchten, milden, geschützten Lagen unter 700 m vorkommt. Die Lebensräume, in denen diese Art gefunden wurde, sind als Reste der Flora des Tertiär bekannt. Es wurde davon ausgegangen, dass Hedera maderensis ssp. iberica vielleicht wegen seiner isolierten Vorkommen dazu neigt, sehr unterschiedliche Formen zu bilden. Die Art gehört zu der Gruppe von Hedera, welche kleine rötliche Schuppen-Härchen besitzen. Das betrifft außer H. helix, H. hibernica und H. azorica alle anderen Arten. Der Saft von Hedera iberica hat den gleichen süßen kiefernähnlichen Harzduft wie die anderen Arten der o.g. Gruppe.

Die faszinierende Flora des südlichen Spanien könnte die Nähe zu Nordafrika erklären, waren doch die Kontinente Europa und Afrika einst miteinander verbunden. Möglicherweise war vor der geologischen Veränderung der Genpool zwischen der heute nordafrikanischen und südspanischen Flora vermischt. So könnte sich neben H. iberica, H. maroccana auch H. hibernica in dieser Region entwickelt haben, im Gegensatz zu den in Europa überwiegend vorkommenden Hedera helix haben diese Arten neben einem kräftigeren Habitus auch längere Internodien, größere fleischigere Blätter, längere Blattstiele die ziemlich weinrot werden können sowie längere Skalenhaare und einen süßeren Duft des Blattsaftes.

In einer morphometrischen Untersuchung von Hedera Arten kamen Jennifer Ackerfield und Jun Wen 2002 zu dem Ergebnis, dass sich H. maderensis subsp. iberica und H. maderensis subsp. maderensis unabhängig entwickelt haben. Die Autoren vermuten, dass der Efeu ein Ergebnis der Hybridisierung einer diploiden Pflanze mit rötlichen Skalenhaaren (wahrscheinlich H. canariensis 2n = 48) und der tetraploiden H. hibernica (2n = 96) ist. Unterstützt wird die Aussage nachdrücklich durch Chloroplasten-DNA-Beweise zweier molekularer phylogenetischer Analysen. Damit einhergehend war eine Neubewertung des Status der Pflanzen nötig, daher wurde Hedera maderensis ssp. iberica 2002 zur Art erhoben, die richtige Bezeichnung lautet Hedera iberica (McAll.) Ackerf. & J.Wen und H. maderensis subsp. maderensis lautet korrekt Hedera maderensis K. Koch ex A. Rutherf.

Oft wurde der Efeu noch zusätzlich mit der Sortenbezeichnung ’Alcala-Los Barrios’ versehen. Dieser Name weist zwar auf den Fundort hin, ist aber überflüssig und nicht korrekt, er suggeriert eine von der Ursprungspflanze abweichende Sorte, was aber nicht den Tatsachen entspricht. ’Alcala-Los Barrios’ sollte daher nicht verwendet werden und ist als Synonym zu betrachten. Weitere Synonyme von H. iberica sind H. helix ’Hispanica’, H. helix ’Iberica’ und H. maderensis ’Hispanica’. Das Basionym von H. iberica ist Hedera maderensis ssp. iberica.
Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft ist die Art mit den Erwerbsnummer AIS 82-265 und 04-059 gelistet, im Pierot Classification System wird sie als Bird's Foot Ivies (BF) geführt, was bedeutet, dass das Blatt vogelfußähnlich ist.

Die Blätter von Hedera iberica sind 3 lappig, die kurzen Basallappen sind im 45°-90° Winkel zum Blatt angeordnet. Der Terminallappen ist etwa drei mal so lang wie die Basallappen. Die Blattbasis ist gestutzt bis abgerundet, die Blattspitzen sind abgerundet. Die Blattgröße beträgt 6-11 x 6-11cm. Die Blattstiele haben eine Länge von 6-20 cm, sie sind wie die Triebe rötlich-braun bis grünlich-braun. Die Blattfarbe ist dunkelgrün bei kühler Witterung bis dunkel gelbgrün in warmen Klimaten. Die hellgrünen Adern sind leicht erhaben.
Die Altersform von H. iberica entwickelt ganzrandige, elliptische bis verkehrt eiförmige oder lanzettliche Blätter mit einer Größe von 6,5-10 x 4,5-7 cm. Der Blütenstand hat Dolden von bis zu 30 Blüten mit gelblich-grünen Blüten. Es bilden sich schwarze oder dunkelgrüne Früchte mit einem Durchmesser von 6 bis 8,5 mm.

Lit:
Alison Rutherford, 1989, The ivies of Andalusia, in: Ivy Journal April 1989 Vol.15 No.1, S. 7-17
Alison Rutherford, Hugh A. McAllister, Robert R. Mill, 1993, New ivies from the Mediterranean area and Macronesia, in: The Platsman 15, S.115-127
Alison Rutherford, 1993, Members letters, in: Journal of the British Ivy Society Vol.16 Part Three December 1993, S.17
Hazel Kay, 1997, Ivies, A Wisley Handbook (RHS), Cassell Educational Limited, London, 1997, S.60-63
Jennifer Ackerfield & Jun Wen, 2002, A morphometric analysis of Hedera L., Adansonia, sér. 3, 2002, 24 (2), S.208, USA
Stephen Jury, Hugh McAllister, Robert Mill, Alison Rutherford and Piers Trehane, 2006, Hedera Algeriensis, A Fine Species Of Ivy, in: Sibbaldia, The Journal of Botanic Garden Horticulture No.4, S.93-104, Royal Botanic Garden Edinburgh, Edinburgh, UK
Alison Rutherford, 2006, Ivies for Mediterranean Gardens, in: The Mediterranean Garden Nr. 46 October 2006, UK
Valcárcel, Virginia and Pablo Vargas, 2010, Quantitative morphology and species delimitation under the general lineage concept: Optimization for Hedera (Araliaceae), in: American Journal of Botany 97(9): 1555-1573


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