Hedera maderensis

Ein Efeu mit dem Name maderensis wurde erstmals 1869 von Ludwig Carl Christian Koch beschrieben, wobei Koch nicht an ein endemisches Inselvorkommen glaubte. R. T. Lowe stellte 1886 in “The Rev“ in “Flora of Madeira” fest, dass der in Madeira heimische Efeu ein "H. helix, 3-5-lappig, Blätter glatt und glänzend" sei und wies auf die Verwendung der verholzten Ranken als Seile für Fischboote hin, welche aber weder beständig noch besonders belastungsfähig waren. Ein Hinweis darauf, dass Lowe den authentischen Madeira Efeu beschrieben hatte, ist in einer Modifizierung am Ende der Arbeit zu finden. Dort bezieht sich Lowe auf Seemans Arbeiten zu Efeuhaaren und kommentiert, dass er an seiner Pflanze 13-15 strahlige Haare gefunden hat, anstatt der 6-8 strahligen von H. helix. Aufgrund dieser Erkenntnisse nannte Lowe den auf Madeira anzutreffenden Efeu Hedera canariensis.

Koch bemerkte 1870 in einer Debatte um H. canariensis, dass der selbige auch unter dem Namen H. maderensis beschrieben wurde und in Gärten verwendet wird. Allerdings waren die unter Bezeichnung H. maderensis oder manchmal auch als H. madeirensis im Baumschulhandel verfügbaren Pflanzen in den Katalogen von 1880 bis in die 1930er Jahre als Pflanze mit "silberner Blattfärbung" verzeichnet. Es wurde also keineswegs typischer Efeu von Madeira verkauft, sondern wie aus den Beschreibungen der Handelskataloge hervorgeht, der heutige H. algeriensis 'Gloire de Marengo’. Dies könnte mit der vermehrten Einfuhr tropischer, subtropischer und gemäßigter Pflanzen nach Madeira in dieser Zeit im Zusammenhang stehen.

So dauerte es fast 100 Jahre bis der einheimische Madeira Efeu im Juli 1974  von David McClintock in der Nähe von Funchal “erstmals wieder“ gesammelt wurde.
Somit bleibt festzustellen, dass bis in die späten 1970er Jahre kein Hedera maderensis im Umlauf war, sondern Hedera algeriensis oder Hedera azorica Sorten mit den Bezeichnungen H. maderensis, H. canariensis oder in diversen Namenskombinationen untereinander.

Um nun Klarheit in den unter Hedera canariensis vereinigten Arten Hedera algeriensis, maderensis, azorica (im Handel) und den authentischen, auf den Inseln endemisch vorkommenden Hedera canariensis, maderensis und azorica zu erlangen, erforschte Dr. Hugh McAllister vom Botanischen Garten der Universität Liverpool, England und Alison Rutherford, Helensburgh, Scotland, in den 1970er Jahre mit viel Aufwand die verschiedenen Efeu Arten. Unzählige Efeuproben wurden an McAllister in den Liverpool University Botanic Gardens in Ness geschickt. Dort wurden sie genau studiert, eine Chromosomenzählung vorgenommen, mit vorhandenem Herbarium Material verglichen und in einem weltweit ersten Hederetum kultiviert. McAllister publizierte seine Ergebnisse ab 1978 in verschiedenen Fachzeitschriften, 1982  erschien eine vollständige Darstellung zu dem Themea in dem “Internationalen Dendrologie Year Book“.

McAllister fand heraus, dass sich Efeu in zwei klar definierte Gruppen einteilen lässt: die Arten der ersten Gruppe treten vor allem im Norden und Westen des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres auf, sie haben lange weiße Strahlenhaare und sind groß genug um sie ohne Vergrößerung zu betrachten, der Neuaustrieb hat ein filziges Aussehen. Zu ihnen gehören Hedera helixH. helix subsp. rhizomatifera, H. helix forma poetarum, H. hibernica und H. azorica.
Die zweite Gruppe zu der die restlichen Arten gehören, hat ihre Vorkommen vor allem im Süden, auf Madeira, den Kanarischen Inseln, Nordafrika, Süd-Spanien, Zypern, den Kaukasus, den Himalaja und nach Osten bis China, Korea und Japan. Sie hat kleinere rötliche, an Spinnmilben erinnernde Haare an jungen Blättern.

Nach den Untersuchungen der Efeus auf die Morphologie, Zytologie (Zellbiologie) und Distributionen wurde die historisch vielfältigste Gruppe, Hedera canariensis (Hort.), in mehrere Taxa aufgeteilt: die echte Hedera canariensis Willdenow (2n=48) ist endemisch auf den Kanarischen Inseln; Hedera algeriensis Hibberd (2n=96), die großblättrige Form der Gruppe stammt aus Algerien; H. azorica Carrière (2n=48) von den Azoren; Hedera canariensis affine Willd. "Marokko" wird H. marrocana McAllister (2n=48); der zuvor als "Südwest iberische Taxon" bezeichnete Efeu wird H. maderensis K. Koch ssp. iberica McAllister (2n=144); und nicht zuletzt unsere Hedera maderensis ssp. maderensis K.Koch ex A.Rutherford (2n=144), ihre Vorkommen beschränkt sich auf die Madeira-Inseln vor der Nordwest Küste Afrikas. Der Efeu ist dort endemisch, er hat den Habitus einer kleineren Version von Hedera hibernica.

Peter Q. Rose erkennt 1996 in seinem Buch „“Ivies“ die Bezeichnung Hedera maderensis nicht an und führt den Efeu dort als Hedera canariensis var. maderensis und beruft sich dabei auf die in “Flora of Madeira“ (Press, Short & Turland, 1994) publizierte Wiederlegung der Arterhebung von H. maderensis.
In einer morphometrischen Untersuchung von Hedera Arten kamen Jennifer Ackerfield und Jun Wen 2002 zu dem Ergebnis, dass sich H. maderensis subsp. iberica und H. maderensis subsp. maderensis unabhängig entwickelt haben. Unterstützt wird die Aussage nachdrücklich durch Chloroplasten-DNA-Beweise zweier molekularer phylogenetischer Analysen. Damit einhergehend war eine Neubewertung des Status der Pflanzen nötig, daher wurde Hedera maderensis ssp. iberica 2002 zur Art erhoben, die richtige Bezeichnung lautet Hedera iberica (McAll.) Ackerf. & J.Wen und H. maderensis subsp. maderensis, ebenfalls zur Art erhoben, lautet nun korrekt Hedera maderensis K. Koch ex A. Rutherf.

Als Synonyme für Hedera maderensis waren oder sind in Benutzung H. canariensis 'Maderensis', H. canariensis var.maderensis, H. canariensis Hort. ex Dippel, H. canariensis ’Variegata’ (Tobler 1912/1927) und H. maderensis ssp. maderensis.
Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft ist die Art mit verschiedenen Erwerbsnummern (verschiedene Blattformen!) gelistet, im Pierot Classification System wird der Efeu als Ivy-Ivies (I) geführt, was bedeutet, dass das Blatt in der Form einem typischen Efeublatt ähnlich ist.

Die richtige Hedera canariensis unterscheidet sich erheblich von den in Madeira und auf den Azoren vorkommenden Efeus. Hedera maderensis ist hexaploid (2n = 144), ähnelt mit seinem konsequent einheitlichen Blattwerk dem Irischen Gartenefeu und hat den Habitus einer kleinen smaragdgrünen Version von H. hibernica Hort. Der langsam wachsende Efeu hat einen rankenden Wuchs. Die 10-16 strahligen schuppenförmigen Haare sind rötlich. Die Triebe sind grün-lila, der Internodienabstand beträgt 2-4 cm, die Blattstiele sind lila-grün. Die in ihrer Größe, Farbe und Form sehr gleichmäßigen Blätter sind meist breiter als lang. Die mittelgroßen bis großen, dreilappig, gelegentlich ungelappten Blätter haben eine Größe von  4-5 x 6-7 cm. Die Ausbuchtungen sind sehr flach oder nicht vorhanden. Die Blattspitzen sind stumpf, die Blattbasis ist gestutzt oder leicht herzförmig. Der Neuaustrieb ist goldgelb bis smaragdgrün und glänzend, ältere Blätter sind satt dunkelgrün bis stumpf mittelgrün und haben erhabene Adern. Blätter und Blattstiele können unter abweichenden Kulturbedingungen im Verhältnis zueinander variieren: manchmal entwickeln sich dicke Blätter mit kurzem Blattstiel, oder es bilden sich wachsartige Blätter mit sehr langen Blattstielen. Die Winterhärte ist mangelhaft.
In Madeira wird die Pflanze zur Begrünung von Wänden der Terrassen von Grundstücken verwendet. Aus der Ferne reflektieren die Blätter bei ausreichend Licht schön glänzend, dies wurde schon von Lowe im Jahre 1886 bemerkt.

Lit:
Hugh McAllister, Alison Rutherford, 1983, The species of ivy, in: Ivy Journal December 1983 Vol. 9 No.4 S. 45 – 54
Alison Rutherford, 1984, The history of the canary islands ivy and its relatives, in: Ivy Journal December 1984 Vol. 10 No.3 S. 13 -18
Alison Rutherford, 1989, The ivies of Andalusia, in: Ivy Journal April 1989 Vol.15 No.1, S. 7-17
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.43
Jennifer Ackerfield & Jun Wen, 2002, A morphometric analysis of Hedera L. , Adansonia, sér. 3, 2002, 24 (2), USA
Stephen Jury, Hugh McAllister, Robert Mill, Alison Rutherford and Piers Trehane, 2006, Hedera Algeriensis, A Fine Species Of Ivy, in: Sibbaldia, The Journal of Botanic Garden Horticulture No.4, S.93-104, Royal Botanic Garden Edinburgh, Edinburgh, UK


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