Hedera nepalensis

Der Efeu wurde erstmals 1824 von dem dänischen Botaniker Nathaniel Wallich beschrieben und trotz seines markanten Aussehens für einen Hedera helix gehalten. Der Schweizer Botaniker und Naturwissenschaftler Augustin-Pyrame de Candolle bemerkte 1830 den Unterschied zwischen dieser Art und H. helix und beschrieb die Pflanze als H. helix Sorte unter der Bezeichnung ‘Chrysocarpa‘. Diese Sortenbezeichnung wurde zuvor schon von Walsh (1826) für Hedera var.poetica verwendet. Es war nun der Botaniker Karl Koch welcher 1853 den heute gültigen Namen Hedera nepalensis einführte. Andere Autoren übersahen wohl Kochs Beschreibung und änderten den Namen wieder, Shirley Hibberd verwendete 1864 den Namen Hedera himalaica (ebenfalls Tobler 1912) und nannte die Pflanze 1872 Hedera helix cinerea (ebenfalls Bean 1914). Diese Fehler wurden in späteren Werken von Bean und auch durch Rehder (1927) korrigiert, der Efeu wird als Hedera nepalensis geführt, die anderen Bezeichnungen sind Synonyme.

Von der auch als Himalaya Efeu bekannten Art ist eine Unterart bekannt, sie wird als Chinesischer Efeu oder Hedera nepalensis var. sinensis bezeichnet. Die Differenz zwischen beiden liegt in der unterschiedlichen Ausprägung der juvenilen Blätter; während Hedera nepalensis in der Regel fünf und selten drei Lappen ausbildet, sich auch eher große Seitenlappen entfalten, entwickelt sich H. nepalensis var. sinensis oft ungelappt oder drei lappig mit kleinen Seitenlappen. Außerdem neigen die Blätter von Hedera nepalensis dazu, zusätzlich kleine Seitenlappen oder zahnförmige Vorsprünge an den Lappen zu bilden und haben eine Eichenblattform.

Das Verbreitungsgebiet von H. nepalensis erstreckt sich auf den Nordwestteil des Himalaya (Nepal, Kaschmir) über Pakistan und endet an der afghanischen Grenze im Hochland von Hazara, dort kommt der Efeu bis zu einer Höhe von 2000 – 2300 Meter vor.
Von der Amerikanischen Efeugesellschaft erhielt die Art die Erwerbsnummer AIS 88-258 und wird im Pierot Classification System als Ivy-Ivies (I) geführt, was bedeutet, dass das Blatt in der Form einem typischen Efeublatt ähnlich ist.

Als Synonyme von Hedera nepalensis und den Altersformen gelten folgende Bezeichnungen: Hedera helix var. chrysocarpa De Candolle (1830); Hedera himalaica oder Hedera helix var. himalaica Hibberd (1864) als Jugendform und Hedera chrysocarpa oder Hedera helix var. chrysocarpa (als Altersform); Hedera cinerea oder Hedera helix var. cinerea Hibberd (1872) als Jugendform und H. helix arborescens chrysocarpa als AItersform; Hedera aurantiaca oder Hedera helix var. aurantiaca Andrè (1884) mit Synonym H. helix cinerea; Hedera himalaica Tobler (1912) als H. himalaica nov. spec.; Hedera cinerea (Hibberd) Bean (1914), Hedera aurantiaca fructo rubro Carriere (1890), Hedera nepalensis ’Cunieformis’ Hibberd (1890), Hedera nepalensis ’North Indian Golden’ Hibberd (1890). Dazu gesellen sich noch die in einigen Webseiten in den 2000er Jahren verwendeten Namen Hedera nepalensis ssp. nepalensis und Hedera helix ‘Nepal’.

Hedera nepalensis ist diploid 2n = 48 und hat 12 bis 20 strahlige, schuppenförmige, gelblich-braune bis orangerote Haare. Während sie an den Stängeln reichlich auftreten, sind die Haare am jungen Laub selten und an Blättern der Altersform gar nicht zu finden. Die schwach wachsende Pflanze hat einen rankenden Wuchs.
Die dünnen Triebe sind im Jugendstadium braun-rot gefärbt, vergrünen jedoch im Alter und bilden unter jedem Knoten Luftwurzeln. Der Internodienabstand beträgt 2 bis 3 cm, die schuppenhaarigen Blattstiele sind hellgrün. Die ovalen bis länglich zugespitzten Blätter haben eine dreieckig-längliche Form und bilden unregelmäßig 2-5 schwach ausgeformte Lappen oder Zähne an jeder Seite, wodurch der Rand gestuft aussieht. Andere Blätter bilden deutlich sichtbare Lappen aus, die Basallappen sind nur angedeutet, die Laterallappen sind etwa halb so lang wie der Terminallappen und zeigen im 45-90° Winkel nach vorn. Die Blattbasis ist gestutzt oder keilförmig, die Spitzen der Lappen sind stumpf bis spitz. Die Blattgröße beträgt 5-12 x 3,5 -4,5 cm. Die Blätter sind erst stark glänzend, hellgrün und verfärben sich später stumpf grün und graugrün. Die Nervatur ist durch graue Streifen hervorgehoben, die Adern, welche fast parallel zur Hauptader verlaufen, erscheinen als helle Streifen auf der saftig grünen Blattoberfläche, sie sind erhaben und auf der Blattunterseite hellgrün. Werden die Blätter zerrieben sind sie nicht oder nur ganz schwach duftend.

Diese Efeuart wird vorwiegend zur Berankung von Mauern oder ähnlichem genutzt, durch ihre seltsam geformten, gezackten und herabhängenden Blätter in Verbindung mit den braunroten Triebe können sich eindrucksvolles Arrangements gestalten lassen. Hedera nepalensis verfügt nicht über die Winterhärte des heimischen H. helix oder von H. colchica, daher ist eine geschützte Lage im Freiland ratsam.

Lit:
Suzanne Warner Pierot, 1974, The Ivy Book, The Growing and Care of Ivy and Ivy Topiary, Macmillan Publishing Co., Inc., New York, USA, S.26-27
Ingobert Heieck, 1977, Das Efeusortiment der Gebr. Stauss, Möglingen bei Stuttgart
Gerd Krüssmann, 1977, Handbuch der Laubgehölze - Band 2, Paul Parey Berlin
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.112-113
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.100
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.132
Jennifer Ackerfield & Jun Wen, 2002, A morphometric analysis of Hedera L. , Adansonia, sér. 3, 2002, 24 (2), USA
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA
Valcárcel, Virginia and Pablo Vargas, 2010, Quantitative morphology and species delimitation under the general lineage concept: Optimization for Hedera (Araliaceae), in: American Journal of Botany 97(9): 1555-1573


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