Hedera nepalensis var. sinensis

Der Efeu wird in den meisten Publikationen als Varietät bezeichnet, da er sich nur geringfügig vom Typus unterscheidet. Der Unterschied zur Hedera nepalensis liegt in den juvenilen Blättern; während diese bei Hedera nepalensis in der Regel fünf Lappen, selten 3 Lappen und eher große Seitenlappen bilden, entwickelt sich H. nepalensis var. sinensis oft ungelappt oder drei lappig mit kleinen Seitenlappen. Außerdem neigen die Blätter von Hedera nepalensis dazu zusätzlich kleine Seitenlappen oder zahnförmige Vorsprünge an den Lappen zu bilden und haben eine Eichenblattform. Allerdings streben einige Exemplare von H. nepalensis var. sinensis zu einer gewissen Variabilität in der Anzahl der Blattlappen, der Efeu kann 3-5 lappige Blätter oder solche mit ausgeprägten Seitenlappen entfalten. Typisch für H. nepalensis var. sinensis sind auch die weinrot austreibenden jungen Blätter.

Es ist sicher das große Verbreitungsgebiet, welches zu der Formenvielfalt von H. nepalensis var. sinensis beiträgt, welcher gemeinhin auch als "Chinesischer Efeu" bezeichnet wird. Die Pflanzen sind in den gebirgigen Regionen Chinas in der Mitte, des Ostens, Südens und Südwesten des Landes, über Nepal, Nordindien bis nach Vietnam heimisch. Dort kommen sie in Wäldern, an Wegränder und auf felsigen Hängen bis auf eine Höhe von 3500 m vor. Im Westen grenzt die Varietät sinensis an das Ausbreitungsareal von H. nepalensis.

Der chinesische Efeu wurde erst im 19. Jahrhundert von den Botanikern zur Kenntnis genommen, bis dahin glaubte man es sei eine H. helix Form. Schließlich stellte Tobler bei der Sichtung von Herbarium Material und durch Literaturstudium fest, dass sich der Efeu vom bekannten H. helix unterscheidet und mehr dem von ihm so bezeichneten H. himalaica (der spätere H. nepalensis) ähnelt. Auf Grund der minimalen Unterschiede und des geringen Bekanntheitsgrades vergab er keinen neuen Artnamen, sondern bezeichnete den Efeu 1912 als Hedera himalaica var. sinensis. 1927 richtete sich Koch nach Rehder, letzterer hatte den Himalaya Efeu mit dem alten Namen von K. Koch, H. nepalensis versehen, unser Efeu trägt nun die Bezeichnung Hedera nepalensis K. Koch var. sinensis (Tobler) Rehder (J. Arnold Arbor. 4:250. 1923).

Der österreichische Botaniker Heinrich von Handel-Mazzetti war nach Reisen durch Südwest- und Zentral-China anderer Ansicht und erhob den Efeu 1933 zur Art. Dieser Ansicht schloss sich 1951 AI Pojarkova mit einer Arbeit am Botanischen V. L. Komarov-Instituts in Sankt Petersburg an, begründet wurde das mit den Schwierigkeiten die nördliche und östliche Ausbreitungsgrenze festlegen zu können und der Möglichkeit einer Vermischung mit anderen Arten. So ist Hedera sinensis (Tobl.) Hand.-Mazz. heute noch in vielen Botanischen Datenbanken zu finden (u.a. 2010 Royal Botanic Gardens, Kew, UK). Allerdings nicht in der einschlägigen Fachliteratur und sonstigen Studien, dort wird weiterhin der Name Hedera nepalensis var. sinensis gebraucht. Auch eine jüngere Erwähnung der Pflanze in der chinesischen Flora "Yunnanica Tomus 2" von 1979 mit einer detaillierten Beschreibung der Pflanze mittels Abbildungen von Blättern, Haaren, Blüten und Früchten verwendet den Namen H. nepalensis var. sinensis.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Pflanze auch als Sorte mit der Bezeichnung H. nepalensis 'Sinensis’ in den Katalogen auftauchte, auch dass ist nicht korrekt, sie wird weiterhin als Varietät geführt.

Die heute bekannten und verschiedenen Formen dieses Efeus gelangten erst durch die Sammeltätigkeit von Expeditionen in 1970er bis 1990er Jahren nach Europa und Amerika. In den 1970er Jahre erreichten zwei verschiedene Formen Hugh McAllister von Botanischen Garten der Universität Liverpool, eine von Roy Lancaster, Kurator des Hillier Arboretum in Winchester, England, welche dreilappige, fast venenlose, glatte, dicke, gelblich-grüne Blätter besaß und eine von Peter Hutchison die mehr dem gewöhnlichen Efeu ähnelt und fünf lappige, wellige, geäderte und bei kühler Witterung oder sauren Böden mehr gefärbte Blätter hatte.

Weiteres Material der Pflanze wurde von Roy Lancaster (als L.555 bezeichnet) und H.J. van de Laar im Oktober 1980 auf dem 3099 m hohen Emei Shan in der Provinz Sichuan, einem der vier heiligen buddhistischen Berge in China, gesammelt, beide entnahmen Stecklingsmaterial von derselben Pflanze. Lancaster fand dort gelappte und ungelappte Formen. Der Efeu wurde auch von Keith Rushforth (KR.236) bei 2000 m in der gleichen Gegend sowie von Chris Brickell (CB.3577) in Hangzhou, Ostchina, gesammelt. Letztere unterscheidet sich von Lancaster und Rushforths Funden durch ein dreieckiges Blatt.

Eine wieder andere Blattform wurde 1981 von der Sino-British expedition SBEC 327 in Cangshan,  im Nordosten von Yunnan in China entdeckt. Die mehr typisch efeuförmigen Blätter haben 3-5 Lappen und eine herzförmige Basis. Der Neuaustrieb hat einen rötlichen Schimmer, Stängel und Blattstiele sind rötlich-grün. Bei der AIS ist diese Form mit der Erwerbsnummer AIS 95-386 gelistet.
Der 2008 im Web in Asianflora abgebildete und als Hedera nepalensis var. chinensis bezeichnete Efeu hat kleine “sinensis“- förmige Blätter und ist mit diesem wohl gleich zu setzen.

Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft sind verschiedene Formen mit den Erwerbsnummer AIS 88-259 87-202, 90-065 und 95-140 gelistet. Im Pierot Classification System wird der Efeu (AIS 88-259) als Heart-shapes (H) geführt, was bedeutet, dass das Blatt eine herzförmige Form besitzt, und AIS 95-386 als Ivy-Ivies (I) bezeichnet, das Blatt hat die Form von einem typischen Efeublatt.
Durch die verschiedenen Funde ist wohl zu erklären warum sich die in unseren und anderen Sammlungen als H. nepalensis var. sinensis bezeichneten Efeus etwas unterscheiden, in dem großes Verbreitungsgebiet dieser Varietät wird es immer wieder geringe Blattvariationen innerhalb der Art geben.

Als Synonyme von H. nepalensis var. sinensis können folgende Bezeichnungen angesehen werden: Hedera sinensis (Tobler) Handel-Mazzetti; Hedera himalaica Tobler var. sinensis Tobler; Hedera nepalensis var. chinensis; Hedera sinensis (Tobler) Handel-Mazzetti var. sinensis Tobler; Hedera potaninii Pojarkova; Hedera shensiensis Pojarkova, und vermutlich auch Hedera sinensis var. leucotricha (I.V. Grushvitskii & N.T. Skvortsova)

Die rankende Pflanze ist diploid 2n = 48 und verfügt über schuppenartige Haare mit 12-15 Strahlen. Die jungen Triebe sind rotbraun und vergrünen mit dem Alter. Die Internodien sind 4-6cm. Die 2-9 cm Blattstiele treiben rotbraun aus und werden später hellgrün. Die ungelappten, gelegentlich 3-lappigen Blätter sind dreieckig-eiförmig, herzförmig bis lanzettlich und haben eine Größe von 7-9 x 5-7cm. Die  Basallappen sind geringförmig ausgebildet, der Terminallappen ist etwa drei mal so lang wie die Basallappen.  Die Blattspitzen sind zugespitzt, die überlappende Blattbasis ist keilförmig. Der Neuaustrieb entwickelt sich tief rotbraun, später nimmt die Blattfarbe einen tief gelb-grün bis matt mittelgrün, leicht glänzenden Farbton an. Die Adern sind hell-grün, die graue Marmorierung der Blätter ist noch ausgeprägter als bei H. nepalensis. Eine Kultivierung unter kühlen Temperaturen trägt zu einer rötlichen Verfärbung der Blätter bei. In der Chinesischen Medizin kommt die Pflanze in der Wundbehandlung und bei der Behandlung von Hepatitis zum Einsatz.

Lit:
Gerd Krüssmann, 1977, Handbuch der Laubgehölze - Band 2, Paul Parey Berlin
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.112-113
Ingobert Heieck,1983, 7. Gesamtliste 1982/83, Gärtnerei Abtei Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen
Sabina Mueller Sulgrove, 1983, September 1983 featured ivy Hedera nepalensis cv. Marbled Dragon, in: Ivy Journal September 1983 Vol.9 No.3, S.20-24
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.103
G. Fortgens & H. J. van de Laar, 1989, Hedera (winterharde bodembedekkers), Dendroflora 26, S.43 – 66
Ingobert Heieck , 1991, Ausländische Efeuarten, Gartenpraxis 1/1991
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.132
Hazel Kay, 1997, Ivies, A Wisley Handbook (RHS), Cassell Educational Limited, London, 1997, S.60-63
Mail Order Catalog 2000, Ivies of the World, Weirsdale, Florida, USA
Ir. M.E.C.M. Hop, 2001, Volwassen en struikvormige Hedera, Sortimentsonderzoek en keuringsrapport, in: Dendroflora Nr.38-2001, S. 70-87
Jennifer Ackerfield & Jun Wen, 2002, A morphometric analysis of Hedera L. , Adansonia, sér. 3, 2002, 24 (2), USA
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA
2010, Photos of Hedera species except helix, in: Ivy Journal Spring 2010 Volume 36, S. 32


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