Hedera pastuchovii

Einen ersten Hinweis auf eine andere Efeuart welche für den heutigen Hedera pastuchovii in Betracht käme, könnte sich 1926  in den “Beihefte zum Botanischen Centralblatt, Original Arbeiten, Kassel“ von  Alexander Alfonsovich Grossheim finden, zumindest scheint die Efeuart erst seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt geworden zu sein. Lämmermayr (1930) gibt für sie Areale am West- und Südufer des Kaspischen Meeres im Kaukasus und Iran an.

Eine erste Beschreibung dieser Art erfolgte durch den russischen Botaniker Georg Jurij Nikolaewitch Woronow, sie wurde 1932 in A.A. Grossheims “Flora des Kaukasus III“ veröffentlicht. Woronow fand den Efeu in Nord-Persien und Transkaukasien und erinnert mit dem Artnamen an A.W. Pastuchow (1860 bis 1899), einem russischen Bergsteiger und Militärtopograph. Er bestieg zwischen 1890 und 1896 die beiden Gipfel des Elbrus (Westgipfel 5.642 m; Ostgipfel 5.621 m), des höchsten Berges des Kaukasus und Russlands. Pastuchow erstellte dort eine erste physische Karte des Elbrus-Massivs, ihm zu Ehren wurde eine Felsgruppe auf 4.690 m benannt. Ursprünglich lautete die Bezeichnung H. pastuchowii, also mit “w“, erst bei einer ausführlicheren Beschreibung 1933 in “Flora Systematica Plantae Vascularies der Acta Instituti Botanici Academiae Scientiarmn, Fase 1“ wurde das "w" durch "v" ersetzt, und der Artname lautet nun H. pastuchovii.

In Großbritannien wurde zwar 1934 im “RHS-Journal“ auf die Pflanze hingewiesen, aber es gibt keine Hinweise dafür dass sie damals dort schon kultiviert wurde. In Deutschland in der Dresdener Sammlung von Friedrich Tobler war der Efeu bereits vor 1940 vorhanden, H. pastuchovii wurde in “Rhododendron und immergrüne Laubgehölze, Jahrbuch 1940“ von Tobler erwähnt und abgebildet. Durch den Krieg scheint die Pflanze in Deutschland wieder verloren gegangen zu sein.

Eine weitere, genauere und übereinstimmende Beschreibung von Hedera pastuchovii wurde 1950 in der “Flora der UdSSR“ in einer vom Botanischen Institut der Akademie der Wissenschaften der UdSSR herausgegebenen Broschüre über Hedera veröffentlicht, wobei dort interessanterweise andere Blattformen abgebildet werden als 1973 in “Flora Iranica“, in letzterer sind tief gelappte Blätter dargestellt. Nach Westeuropa gelangte die Pflanze wohl erst wieder, nachdem Roy Lancaster, Kurator am Hillier-Arboretum in Winchester, Großbritannien, sie im Dezember 1972 von einer Expedition in die Waldzonen um das Kaspische Meer (Khair Rud Wald) auf dem Gebiet des Iran mitbrachte. Von dort kam sie auch nach Deutschland zu Ingobert Heiecks Efeusammlung in die Abtei Neuburg, Heidelberg.

Das verhältnismäßig kleine Areal dieser Art erstreckt sich wie oben schon erwähnt entlang dem West- und Südufers des Kaspischen Meeres (Iran, Kaukasus). Die auf der Insel Zypern gefundene und früher wegen der ähnlichen Blätter als H. pastuchovii var. cypria gefundene Pflanze wird heute als eigene Art Hedera cypria geführt. Die Hauptgrund der zur Trennung dieser beiden Taxa geführt hat liegt in der Anordnung der Härchen, während die Trichome an jungen Blättern bei H. pastuchovii auf der abaxialen und adaxialen Seite zu finden ist,  kommen Trichome bei H. cypria nur auf der abaxialen Seite vor. Außerdem sind bei  H. cypria verschiedene weißen Markierungen über den Venen der jungen Blätter zu finden, diese Eigenschaft besitzen juvenile Blätter von H. pastuchovii nicht.

Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft ist die Sorte mit verschiedenen Erwerbsnummer gelistet, im Pierot Classification System wird der Efeu je nach Blattabweichung als Heart-shapes (H) oder Ivy-Ivies (I) geführt, was bedeutet, dass das Blatt eine herzförmige Form besitzt oder einem typischen Efeublatt ähnlich ist.

Hedera pastuchovii ist hexaploid 2n =144, der Efeu hat 13 bis 15 strahlige anliegende, orangerote Schuppenhaare. Der rankende Wuchs ist mittelstark, die schuppig behaarten Triebe sind braun-grün. Der Internodienabstand beträgt 3 bis 4,5 cm, die Blattstiele sind kürzer als die Blattspreite oder gleichlang und grün-braun. Die länglich-dreieckigen bis schmal eiförmigen Blätter sind oft geringfügig muschelförmig aufgewölbt, die Blattgröße beträgt 4-9 x 3-4 cm. Die Lappung ist allerdings variabel, junge Blätter sind mehr 3 lappig, später entwickelt sich ein sehr ausgeprägter langer Terminallappen mit kurz angesetzten Seitenlappen, bzw. die Triebe am Boden sind oft schmal oval gerundet und haben meist zwei gleich große abgerundete Lappen. Im Gegensatz zu Blättern an kletternden Trieben, welche eher ganzrandig oder gelappt, länglich oder dreieckig sind und manchmal einen unregelmäßig gezahnten Rand haben können. Die Basallappen sind durch eine flache Einkerbung getrennt. Die Blattbasis ist schwach herzförmig, die Blattenden laufen häufig nur in kurze Spitzen aus. Die Blätter haben eine leicht ledrige Textur, sie sind glänzend dunkelgrün bis oliv- und schwarzgrün gefärbt. Die Venen sind grau-grün und nicht erhaben. Beim Zerreiben der Stängel entsteht ein ziemlich starker harziger Geruch wie er von Hedera colchica bekannt ist.

Hedera pastuchovii ist nicht zuverlässig winterhart, sie sollte in geschützten Lagen kultiviert werden.

Lit:
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.113-115
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.109
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.134
Jennifer Ackerfield & Jun Wen, 2002, A morphometric analysis of Hedera L. , Adansonia, sér. 3, 2002, 24 (2), USA
Russell A. Windle, 2003, Katalog Hedera ETC, Lionville, PA, USA
Suzanne Pierot, 2006, Hedera pastuchovii, in: Ivy Journal 2006 Vol. 32 S. 8-10
Valcárcel, Virginia and Pablo Vargas, 2010, Quantitative morphology and species delimitation under the general lineage concept: Optimization for Hedera (Araliaceae), in: American Journal of Botany 97(9): 1555-1573
Suzanne Warner Pierot, 2010, Hedera species, other than Helix, in: Ivy Journal, spring 2010 Volume 36, S. 6-10

  • Hedera pastuchovii 07 (1)
  • Hedera pastuchovii 07 (2)
  • Hedera pastuchovii 07 (3)
  • Hedera pastuchovii 07 (4)
  • Hedera pastuchovii 07 (5)
  • Hedera pastuchovii 07 (7)
  • Hedera pastuchovii 08 (3)
  • Hedera pastuchovii 10 (0)
  • Hedera pastuchovii 10 (1)
  • Hedera pastuchovii 10 (2)
  • Hedera pastuchovii 10 (4)
  • Hedera pastuchovii 10 (6)
  • Hedera pastuchovii 10 (7)
  • Hedera pastuchovii 10 (8)
  • Hedera pastuchovii 14 (1)
Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button