Die Art Hedera rhombea

Im Gegensatz zu vielen Efeuarten die nach ihrer Herkunft benannt wurden, basiert die Bezeichnung rhombea auf den rautenförmigen Blättern der Altersform. Die bei uns als japanischer Efeu bekannte Pflanze wird in der dortigen Sprache fuyu-zuta und ki-zuta ausgesprochen. Die natürlichen Vorkommen der unserem heimischen Hedera helix sehr ähnlichen Efeuart sind in Japan (außer im Norden, Hokkaido) Südkorea, Taiwan und eventuell Nordchina.

Die Namensgebung für Hedera rhombea entwickelte sich nicht minder verworren wie bei H. nepalensis. Einen ersten Hinweis auf einen in Japan und Korea vorkommenden Efeu gibt es 1712 durch den deutschen Arzt und Forschungsreisenden  Engelbert Kaempfer mit der gehaltvollen Bezeichnung Amoenitatum exoticarum politico physico medicarum. Damals hielt man die Pflanze für einen gewöhnlichen europäischen Efeu, so auch der schwedische Naturforscher Carl Peter Thunberg, welcher 1784 den in der Nähe Nagasaki gefundenen Efeu als Hedera helix bezeichnete.

Die deutschen Botaniker Joseph Gerhard Zuccarini und Philipp Franz Balthasar von Siebold berichteten 1845 von einem Hedera rhombea. Das Belegmaterial im Herbarium Leiden in Holland zu der Pflanze bestand jedoch zum größten Teil aus Gilibertia japonica Harms, die gleichzeitig mit H. rhombea vorkommt. Letztere bot wohl keine beachtenswerten Unterschiede zu den anderen japanischen Materialien, aus diesem Grund stieß die Anerkennung des Namens H .rhombea von Siebold und Zuccarini später auf Schwierigkeiten.

Der deutsch-niederländischer Botaniker Friedrich Anton Wilhelm Miquel war es schließlich, welcher 1863 H. rhombea mit einer erforderlichen lateinischen Beschreibung definierte und als Herkunft die südjapanische Insel Kyūshū nannte. Miquel beschrieb die juvenilen Blätter des Efeus als drei bis fünf-lappig und eiförmig zugespitzt. In der nachfolgenden Zeit wurde diese richtige Bezeichnung wenn auch nicht von allen, so doch von vielen Autoren benutzt.

Warum Seemann 1868 den japanischen Efeu und die anderen asiatischen Arten mit H. colchica Koch vereinigt hatte ist unbekannt. 1867 erwähnt William Paul einen Hedera japonica in “Gardener's Chronicle“, meint damit aber eine bunte Efeuform und keine H. rhombea Typica. Der französische Dendrologe Pierre Alphonse Martin Lavallée brachte 1877 als nomen nudum die Bezeichnung H. helix var. japonica in Umlauf. Makino (1884) und Harms (1898) wiederum hielten sich an Seemanns These der vereinigten asiatischen H. colchica Efeus. Der deutsche Botaniker Camillo Karl Schneider betonte 1908 endlich mit Recht die Differenz der asiatischen Efeuarten untereinander.

Friedrich Tobler beschrieb den japanischen  Efeu 1912 als eine neue Spezies unter dem schon von Paul (1867) benutzten Namen Hedera japonica, vermutlich in Unkenntnis der korrekten Veröffentlichung von Hedera rhombea durch Miquel 1863. Zwei Jahre später veröffentlichte W.J. Bean eine zuverlässige Beschreibung von Hedera rhombea in “Trees and Shrub in the British Isles“ (1914)

Der Botaniker Nakai kannte wohl nur Toblers Bezeichnung H. japonica, als er diese 1927 mit der Begründung ablehnte, dass derselbe Name bereits für Textoria trifida und Gilibertia benutzt wurde, und vergab für unseren Efeu den Namen Hedera tobleri.

In der “Flora of the U.S.S.R.“ wird 1950 die auch als Synonym von H. nepalensis var. sinensis bekannte Hedera shensiensis Pojarkova mit ihren Verbreitungsgebieten Nord-China, Japan und Südkorea erwähnt, H. rhombea wird dort zusammen mit H. tobleri Nakai zur Hedera shensiensis.
Nach den Werken von Rehder (1940), Lawrence & Schulze (1942) sowie Bean (1973) setzte sich die Bezeichnung Hedera rhombea wohl endgültig durch.

In einschlägigen botanischen Datenbanken werden unterschiedliche Fachbezeichnungen verwendet, meist jedoch Hedera rhombea (Miq.) Bean, Hedera rhombea (Miq.) Siebold ex Bean und Hedera rhombea Siebold & Zucc. ex Bean. Als Synonyme werden folgende Bezeichnungen angesehen: H. japonica Paul; H. japonica Tobler; H. helix var. japonica (nomen nudum); H. helix var. rhombea (Siebold & Zucc.) Miq.; H. rhombea var. rhombea; H. rhomboidea Bean ex Nicholson; H. tobleri Nakai; H. shensiensis und wahrscheinlich auch H. formosana Nakai, H. pedunculata Nakai, H. rhombea var. formosana (Nakai); H. rhombea f. pedunculata.
Die in Verbindung mit Hedera helix verwendete Sortenbezeichnung ‘Rhomboidea‘ bezieht sich entweder auf H. hibernica ‘Deltoidea‘ oder andere H. helix Formen mit schwach rhombischen Blättern, steht aber in keinem Zusammenhang mit Hedera rhombea.

Die Pflanze ist kaum im Handel erhältlich, wesentlich häufiger ist dagegen die panaschierte Form H. rhombea ’Variegata’ in den Gartenmärkten zu finden.
Bei der Amerikanischen Efeugesellschaft sind unterschiedliche Formen mit verschiedenen Erwerbsnummern gelistet. Im Pierot Classification System wird der Efeu je nach Blattform als Heart-shapes (H) oder als Ivy-Ivies geführt, was bedeutet, dass das Blatt eine herzförmige Form oder die einem typischen Efeublatt besitzt.

Hedera rhombea unterscheidet sich von allen anderen asiatischen Efeuarten durch kürzere Terminallappen, kleinere Blätter und sehr flache Ausbuchtungen zwischen den Lappen. Der Efeu ist diploid (2n = 48) und hat rötlichgelbliche 10 bis 20 strahlige, kleine, anliegende Schuppenhaare. Der rankende Wuchs ist relativ schwach, die Jungtriebe sind dünn und drahtig. Die Triebe sind grün-violett, der Internodienabstand beträgt 2 bis 2,5 cm. Die Blattstiele sind ebenfalls grün-violett. Die oval bis dreieckigen Blätter sind ungelappt bis dreilappig, selten fünf lappig. Der Terminallappen ist etwas größer als die Laterallappen. Die Blattbasis ist gestutzt oder leicht herzförmig, die Blattspitzen meist kurz zugespitzt oder stumpf. Die Blattgröße beträgt 5-6 x 5-7 cm, die Blattfläche ist häufig konkav gewölbt. Die Blattfarbe ist mittelgrün, die Adern sind in der Blattfläche versenkt, wodurch sich ein milchig geädertes Aussehen des Blattes ergibt. Dadurch kann sich der Efeu von anderen abheben. Hedera rhombea ist nicht zuverlässig winterhart und sollte im Freiland an geschützten Standorten verwendet werden.

Lit:
Friedrich Tobler, 1912, Die Gattung Hedera, Verlag Gustav Fischer Jena
Friedrich Tobler, 1927, Die Gartenformen der Gattung Hedera, in: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Jahrbuch 1927, S.1 – 33
Suzanne Warner Pierot, 1974, The Ivy Book, The Growing and Care of Ivy and Ivy Topiary, Macmillan Publishing Co., Inc., New York, USA, S.27
Gerd Krüssmann, 1977, Handbuch der Laubgehölze - Band 2, Paul Parey Berlin
Peter Q. Rose, Efeu, 1982, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, S.115
Ingobert Heieck, 1987, Hedera Sorten, Ihre Entstehung und Geschichte dargestellt am Sortiment der Gärtnerei Abtei Neuburg, Gärtnerei Abtei Neuburg, S.104
Peter Q. Rose, 1996, Ivies, The Gardener’s Guide to Growing, Timber Press, Portland, Oregon, USA, S.134

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