Die Efeu-Rassen

von Ingobert Heieck

Abstammung der Sorten: Die meisten sich im Handel befindlichen Hedera-Sorten stammen von der Art „Helix“ ab. Andere Hedera Arten spielen im Topfpflanzensortiment keine Rolle und im Freilandsortiment nur eine geringe. Es muss verwundern, das trotzdem die Härte der einzelnen Sorten stark divergiert. Hierzu soll zunächst ein klärendes Wort gesagt werden:

Helix, die weitaus größte und verbreitete Art von Hedera, besteht aus mehreren, ja vielleicht sogar vielen Rassen, die sich in Wuchseigenschaft und Winterhärte voneinander unterscheiden.

Da sind zunächst Rassen, welche in der Natur entstanden sind, zu nennen. Bedingt durch das große Areal, über welches sich Hedera helix verbreitet, konnten sich über Jahrtausende hinweg solche Rassen bilden: Reichen doch die Klimate dieses Areals vom milden Seeklima, entlang der Atlantikküste, über ausgesprochenes Landklima bis zum Höhenklima in den Alpen. Darüber hinaus ist es auch durchaus möglich, das einige Sorten zu Hedera poetarum gehören, die in Griechenland beheimatet ist. Diese Art ist in ihrer Jugendform von H. helixnicht zu unterscheiden, sondern nur durch die orangeroten Beeren der Altersform, die jedoch in der Gewächshauskultur und bei der dauernden vegetativen Vermehrung nie sichtbar wird.

Die geographischen Rassen:

Hedera helix: Nur ganz wenige Sorten, die vom typischen H. helix abstammen, kann man zum Zimmerefeusortiment rechnen. Im Sortiment werden sie mit „Typica Efeu“ bezeichnet. Aus dieser Gruppe stammen unsere härtesten Freiland-Efeus, darunter auch eine ganze Reihe bunte Sorten fürs Freiland.

Atlantik-Efeu: Hedera hibernica (Kirchner) ‘Bean‘ kommt entlang der Atlantikküste vor, von Schottland, Irland über England, Frankreich bis nach Spanien. Meist wird dieser Efeu noch als Varietät von H. helix verzeichnet, aber er unterscheidet sich doch wesentlich von diesem, vor allem auch dadurch, dass er einen tetraploiden Chromosomensatz hat (2n=96). Die von H. hibernica abstammenden Sorten werden in Deutschland meist als Freilandsorten verwendet, vor allem in klimatisch günstigen Gegenden. Einige kann man jedoch zum Zimmersortiment rechnen.

Hedera colchica
Hier handelt es sich um eine ausgesprochene Art. Ihre Heimat reicht von den Waldgebieten des Schwarzen Meeres bis zum Kaspischen Meer, Kaukasus, Syrien und Cypern. Diese Art hat nur wenige Sorten hervorgebracht (wie überhaupt alle Arten, außer H.helix), die jedoch alle bei uns gut im Freiland zur Verwendung kommen können, also eine ausreichende Winterhärte besitzen.

Die Kulturrassen: Unser Efeu hätte nie die Bedeutung als Zimmerpflanze erlangt, die er heute genießt, wenn nicht im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts neue Rassen in der Gewächshauskultur entstanden wären. Diese neuen Efeu-Rassen stellen fast alle Zimmer- Efeu-Sorten, und sie bringen immer noch neue Sorten hervor.

Durch Alfred Bates sind wir über die Ursprungssorten dieser Rassen unterrichtet. In einer groß angelegten Artikelserie, „The Illusive Ivy“, in „The National Horticultural Magazine“ (später „The American Horticultural Mag.“) zwischen 1932 und 1945, schreibt er über diese und viele andere Efeusorten des in den USA entstandenen „Ramosa-Komplexes“. Erklärend dazu sei gesagt, dass es sich bei diesem von Bates so benannten „Ramosa-Komplex“ um eine neue Rasse handelt, die in der Gewächshauskultur entstanden ist. Richtig besehen sind es jedoch drei Rassen, die unter ähnlichen Umständen entstanden sein müssen und denen all die vielen grünen und bunten Zimmersorten entstammen, die heute das Efeu-Sortiment bereichern und interessant machen.

Die Pittsburgh-Rasse: Zwischen 1915 und 1920 entstand in den USA die Ursprungspflanze dieser neuen Rasse, wohl in der Gewächshauskultur. Leider konnte auch Bates uns nicht überliefern, aus welcher Sorte sich dieser Efeu entwickelt hat, ob es eine Mutation oder eine Kreuzung gewesen ist. Kurz vor 1927 wurde dieser Efeu unter dem Namen ‘Pittsburgh‘ von Mr. P. S. Randolph (Verona, PA, USA) in den Handel eingeführt. Nach dem Namen zu schließen stammt die Sorte aus der Gärtnerei von Louis Hahn und Sohn (Pittsburgh, PA, USA). Kurz nach dem Krieg, 1946, kam die Sorte ‘Pittsburgh‘ nach Holland und von da 1950 nach Deutschland. Von ‘Pittsburgh‘ stammt wohl der größte Teil unserer Zimmer-Efeu-Sorten ab. Viele sind auch in Deutschland entstanden. Alle diese Sorten haben in etwa den gleichen Wuchscharakter, einen „sich selbst verzweigenden“ Wuchs, der von Lawrence u. Schulze (1942) als „Ramosa-Komplex“ bezeichnet wurde. Die Winterhärte ist wesentlich geringer als bei H. helix Typica und etwas geringer als bei den beiden folgenden Rassen.

Die Maple Queen-Rasse: Die Sorte ‘Maple Queen‘ entstand ebenfalls bei Louis Hahn. Leider ist das Entstehungsdatum nicht bekannt. Sie wurde jedoch am 15. 10. 1940 patentiert. Ihre Entstehung muss also 2 bis 3 Jahre vor diesem Datum erfolgt sein. Gegenüber der schon genannten Pittsburgh-Rasse besitzt diese Rasse eine etwas bessere Winterhärte. Somit sind ihre Sorten auch für Freilandzwecke noch verwendbar, wenigstens in geschützten Lagen und mildem Klima.

Die California-Rasse: Die Sorte ‘California‘ entstand bei Weber in Los Angeles und wurde 1939 in den Handel eingeführt. Angeblich soll die Ursprungssorte ‘Merion Beauty‘ gewesen sein, die nach meiner Forschung allerdings zu ‘Pittsburgh‘ verwandtschaftliche Verbindung aufweist. Tatsächlich scheint sie in der Winterhärte von der Pittsburgh-Rasse nicht wesentlich abzuweichen.

Lit.: Efeubriefe 1980-1985, I. Heieck

 

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