Winterkleid - Blattfärbung bei Efeu

Efeublätter sind in der Regel grün, auch wenn im laufe der Zeit durch Mutationen eine Vielzahl an Sorten mit panaschiertem Laub entstand. Das Farbspiel der Blätter kann dabei von weiß bis gelb in Kombination mit sämtlichen Abstufungen von grün reichen. Es gibt sogar Efeu mit rein gelben Blättern.

Ab Spätherbst lässt sich bei zahlreichen Efeusorten beobachten, dass sich das Laub Bronze färbt oder teilweise rosa bis rote oder dunkel rote Farbtöne zeigt. Verantwortlich sind hierfür rote bis violette wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, die zur Klasse der Anthocyane zählen und sich in den Zellsafträumen der Pflanzenzellen mit Zuckermolekülen verbinden. Die Farbausprägung ist abhängig vom pH-Wert innerhalb der Zellen: im sauren Milieu eher rot, im alkalischen violett bis blau. Gesteuert durch die sinkenden Temperaturen wird das Anthocyan erst im Herbst gebildet und löst die Rotfärbung des winterlichen Laubes aus. So liest man.

Das wollte ich genau wissen, pflanzte mehrere Hedera helix der Sorte ‘Atropurpurea‘ an unterschiedliche Standorte und wartete ab. Ein Exemplar wuchs freistehend, jeglichem Wetter ausgesetzt. Windgeschützt stand eine zweite Pflanze in Hausnähe und eine dritte witterungsgeschützt im Gewächshaus. Bei sinkenden Temperaturen zeigte die freistehende Pflanze als erste zaghafte Rotfärbung. Bei dem geschützt stehendem Exemplar begann die Rotfärbung erst viel später und die Pflanze im Gewächshaus zeigte überhaupt keine Verfärbung. Es war auch zu beobachten, dass selbst geringe Temperaturunterschiede ausreichen, um die Bildung der Farbstoffe zu beeinflussen. Gut sehen ließ sich das an der Pflanze, die in Hausnähe stand. Die Blätter der vom Haus abgewandten Seite verfärbten sich zuerst, während die dem Haus zugewandten noch grün blieben und erst einige Zeit später mit ihrer Winterfärbung begannen. Sehr deutlich konnte ich dies auch bei einem H. colchica Typ feststellen, der als Bodendecker gepflanzt war, und schon eine dunkelrote Winterfarbe angenommen hatte. Ein Trieb dieser Pflanze wuchs unter einem nahen Strauch (Juniperus) hindurch, die Blätter unter dem Strauch blieben grün.

Die meisten Hedera-Sorten besitzen die Eigenschaft, Anthocyane zu bilden, aber es gibt auch einige wenige Ausnahmen. Dazu gehört beispielsweise die gut rankende H. helix Nigra‘ mit ihrem dunkelgrünen Laub. Die Sorten von H. hibernica bleiben ihrer jeweiligen Blattfarbe in der Regel treu, doch auch hier gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel ‘Ebony‘, eine kleinblättrige Form mit hellroter Winterfärbung in schönem Kontrast zu den grünen Blattnerven. Bei H. nepalensis und H. pastuchovii sind ebenfalls Veränderungen zu beobachten.

Außergewöhnlich sind einige H. helix Sorten, bei denen sich nur die Unterseite der Blätter verfärbt. Diese Pflanzen drehen im Winter ihre Blätter einfach um, so dass die Blattunterseite dann nach oben zeigt. Ein Beispiel dafür bietet die gelb belaubte Sorte ‘Buttercup‘, aber auch einige grünlaubige Sorten verhalten sich so. Die Rotfärbung der Unterseite und auch das Wenden der Blätter erfolgt nach dem gleichen Schema, wie die normale Winterfärbung. Dieses Verhalten konnte bisher nur bei den H. helix Typen festgestellt werden, an anderen Hedera-Arten wurde diese Eigenart bisher noch nicht beobachtet.

Bei allen Efeus, die Anthocyane produzieren, sind Winterschäden sehr selten. Es liegt also der Schluss nahe, die Farbstoffe dienten in den Efeublättern als eine Art Frostschutz. Professor Friedrich Tobler sah schon 1910 die Fähigkeit zur Anthocyanbildung in Zusammenhang mit den natürlichen Verbreitungsgebieten der Arten und Sorten und damit auch der Winterhärte. In seiner Monographie ’Die Gattung Hedera’ schrieb er: “ ... So sicher wie also Beziehungen zwischen kälteren Standorten einerseits und Anthocyan- (resp. Zucker-) Gehalt der Blätter zu bestehen scheinen, so sicher sehen wir hier bei Hedera innerhalb der Gattung resp. Art (besonders helix) ein Hervortreten des Charakters der Anthocyanbildung gegen Norden hin. Die Fähigkeit der Anthocyanbildung (resp. Unfähigkeit der Stärkebildung) hat sich an nördlichen Standorten ausgebildet, erscheint aber als unabhängig vom Standort sich erhaltendes (vererbbares) Merkmal“.

Weitere schöne winterfärbende Sorten sind also nicht ausgeschlossen.

2011, Robert Krebs, Stolk

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