Die Entwicklung der Efeu-Kultur

von Ingobert Heieck

Hedera, unser Efeu, ist keine neue Gartenpflanze. Seit einigen Jahren jedoch hat diese eher bescheidene Pflanze eine solche Beliebtheit erlangt wie wohl nie zuvor — außer vielleicht zur Zeit der Griechen und Römer. Efeu war im Altertum bei Griechen und Römern, eine wichtige Kultpflanze. Er fand reiche Verwendung im Bacchus- und Dionysoskult. Es gibt aber auch Zeugnisse dafür dass der Efeu damals schon als Zierpflanze kultiviert wurde. So erfahren wir zum Beispiel aus alten Quellen, dass Athenäus, König von Syrakus, auf seinem Prachtschiff Lauben mit weißem Efeu hatte, die in Kübel gepflanzt waren. So ist also um das Jahr 420v. Chr. schon buntblättriger Efeu als Kübelpflanze gezogen worden.

Bei Plinius und Theophrast sowie in den Kräuterbüchern des Mittelalters wird dann, bis in unsere Zeit, der Efeu oft als Heilpflanze erwähnt und beschrieben. Er dürfte damals aber auch hier und da als Schmuckpflanze in den Gärten verwendet worden sein. Sicher wissen wir das vom 17. Jahrhundert an. Denn im Jahr 1696 macht der Engländer L. Pluckenet eine weiß-sektorial panaschierte Sorte von Hedera helix bekannt — Almagestum botanicum, 1696, S. 181. Was wir heute mit einem einfachen Sortennamen benennen würden, heißt bei ihm: „Hedera arborea, ex argenteo ut viridi foliis eleganter variegatis“. Elias Pein notiert die erwähnte Sorte 1699 für den “Hortus Botianus“, und zwar zugleich mit einer gelb-sektorial panaschierten Form, die er als „Hedera arborea folio ex luteo variegato“ bezeichnet. Im 18. Jahrhundert finden wir zum Beispiel in dem Werk von Weinmann (1742) eine Efeuranke mit 5lappigen, gelb gerandeten Blättern abgebildet.

Buntblättrigen Efeu scheint es also vom Altertum bis in die Gegenwart gegeben zu haben. Und wenn auch diese bunten Formen immer wieder verloren gingen, sie entstanden und entstehen immer wieder neu. So gab es in jeder Epoche, in der der Efeu geschätzt wurde, auch neue Sorten. Die dieser Pflanze innewohnende Mutationsfreudigkeit wird durch die vegetative Vermehrung noch gesteigert. Oder besser gesagt, die in dieser Pflanze verborgenen Mutationen werden durch diese Art der Vermehrung ans Licht gebracht. Eine gewisse Bedeutung als Zimmerpflanze scheint der Efeu schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts gehabt zu haben. In „Frauendorfer Blätter“ von 1855 fand ich unter anderem einen kleinen Beitrag mit dem Titel: „Epheu an Korbwänden und Möbeln aufzuranken.“ Und in der „Gartenflora“ ab 1860 bis 1890 berichtet Eduard Regel häufig über die Verwendung des Efeus im Kaiserlichen Botanischen Garten in St. Petersburg. Aus seinen kurzen Berichten geht hervor, dass Efeu damals in Russland eine beliebte Zimmerpflanze gewesen ist. In Deutschland bestand eine Efeu-Mode etwa von 1880 bis 1920, die sich jedoch auf die Verwendung im Garten beschränkte.

1935 nahm Königer (Aalen) einen ersten Vertreter des in den USA entstandenen „Ramosa-Komplexes“ in Kultur. Es handelte sich um die Sorte ‘Chicago‘, die wahrscheinlich von Wm. C. Hage und Co. (Boskoop/NL) kam. Aus ‘Chicago‘, dem frühesten Vertreter der neuen Efeu-Rassen in Deutschland, machte Königer seine Auslesen, von denen heute noch ‘Königers Auslese‘ bekannt und beliebt ist.
Nach dem Kriege, ab 1950 wurde der Zimmer-Efeu in Deutschland jedoch erst richtig bekannt. Damals waren es die Jungpflanzenbetriebe, vor allem Süptitz (Hamburg-Eidelstedt), die aus den USA über Holland einige Sorten dieser neuen Rassen einführten. Es seien vor allem ‘Pittsburgh‘, ‘Procumbens‘ und ‘Procumbens fol. Variegatis‘ genannt. Fast gleichzeitig kamen auch schon neue Sorten aus deutschen Gärtnereien, so zum Beispiel ‘Luzii‘ (1951) von Ernst Luz (Stuttgart-Fellbach). Kurz darauf brachte Emil Schäfer (Stuttgart-Fellbach) seine „Schäfer-Typen“ auf den Markt. In Bochum-Hövel war es Hans Schmidt, der sich in den 50er Jahren mit seinen Efeu-Kulturen einen Namen machte und mit neuen Sorten den Markt belebte: ‘Prof. F. Tobler‘ (1957) und ‘Dir. Badke‘ (1959).

Es ist nun jedoch nicht so, dass es mit der Beliebtheit des Efeus kontinuierlich aufwärts gegangen wäre. Die von den 50er Jahren ab steigende Verbreitung erhielt schon um 1960 einen Rückschlag. Das kann man an der marktwirtschaftlichen Entwicklung bei Topfpflanzen an Zahlen des Blumengroßmarktes Köln gut ablesen. Dort war der Umsatz von 1961 auf 1962 um 24 Prozent zurückgegangen und von 2,9 auf 2,2 Prozent des Marktanteils. Bis 1965 ging der Umsatz bei Efeu noch bis auf 44 Prozent zurück. Das war wenigstens in Köln so, wird aber in ähnlicher Weise für die ganze Bundesrepublik gelten. Von den 70er Jahren bis heute hat der Efeu jedoch ständig an Bedeutung im Zierpflanzenhandel gewonnen.


 

 

Lit.: Efeubriefe 1980-1985, I. Heieck



 

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