Mythos Efeu

von Robert Krebs

Alter Efeu in Schlesien (Foto: A. Hönemann)Alter Efeu in Schlesien (Foto: A. Hönemann)

Im Althochdeutschen hieß der Efeu noch "ebah", später "Ebheu", dann "Epheu". Dabei wurde die letzte Silbe nicht nur als "Heu" ausgesprochen, sondern auch so verstanden.
Welche Bedeutung diesem "Ep-Heu" zukam ‚ ist allerdings nicht geklärt. Das Lateinische Epitheton "helix" bedeutet übersetzt "windend". Im alten Ägypten galt der Efeu als die Pflanze des Vegetationsgottes Osiris, im antiken Griechenland war er mit der Weinrebe dem Dionysos, in Rom dem Bacchus geweiht. Das die efeuumrankten Bacchus- und Dionysosstatuen dass Blut in weintrunkene Wallung brachten, erwähnt Sophokles: „O sehet, es erregt mir den Geist der Efeu, der zum bacchischen Lusttaumel mich entrückt”.

Dionysos' Begleiterinnen, die Mänaden, waren mit Efeu bekränzt, ihre Thyrusstäbe mit Efeu umwunden. Weil Efeublätter aber nicht nur Ausgelassenheit nährten, sondern auch die vom Alkohol erhitzte Stirn zu kühlen vermochten, trug man Efeukränze während der Gelage. Als Bestandteil eines Geheimrezeptes gegen die Ausfall Erscheinungen nach einer durchzechten Nacht erfreute sich der Efeu auch Jahrhunderte später noch großer Beliebtheit. Hieronymus Bock verrät es in seinem Kräuterbuch: „Efeublätter gestoßen mit Essig und ein wenig Rosenwasser dazu genommen, ist ein köstlich Arznei für das grausam Hauptweh”.

Dionysosverehrer glaubten, reichliches Efeuvorkommen an einem Ort wäre ein sichereres Zeichen für die Anwesenheit des Gottes. Als die Krieger Alexander des Großen den heiligen Berg der eroberten indischen Stadt Nysa von Efeu umwuchert sahen, weinten sie vor Glück, da sie glaubten, Dionysos könne nicht weit, und mithin ihre Heimat nicht fern sein.

Der dionysische Kult erfreute sich in der griechischen Welt einer derartigen Beliebtheit, dass auch unterjochte Völker genötigt wurden, dem trunkenen Weingott zu huldigen. Im 2. Buch der Makkabäer berichtet Jason von Zyrene, wie es den Juden in ihrer von Griechen besetzten Stadt Jerusalem erging: „... am Fest der Dionysien zwang man sie, zu Ehren des Dionysos mit Efeu bekränzt in der Prozession mitzugehen”. (2 Makk. 6,7). Im 3. Buch der Makkabäer wird sogar betont, dass man den Juden gegen ihren Willen ein Efeublatt auf den Körper tätowierte.

Text leicht verändert aus: "Mythos Baum" Doris Laudert, BLV Verlagsgesellschaft München Wien Zürich 2004

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