Vermehrung und Anzucht

von Robert Krebs

Der Zeitpunkt der Vermehrung Hedera kann in geheizten Gewächshäusern das ganze Jahr hindurch vermehrt werden. Selbstverständlich sind die lichtarmen Monate November, Dezember und Januar weniger günstig. Die Monate Februar bis Juli bieten vom Wachstumsfaktor Licht her die besten Bedingungen. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Ranken ja erst einmal wachsen müssen. Schneidet man die Ranken im Freien, hat man etwa ab Juli genügend lange, und ausgereifte Ranken zum Stecklingsschnitt. Noch länger und besser ausgereift sind sie ab Ende August. Man wird also in der Hautsache in der Zeit vom Sommer bis in den Spätherbst hinein vermehren. Starkwachsende, gut winterharte Sorten kann man auch im Oktober/November in kalten Kästen vermehren. Die Bewurzlung erfolgt dann meist erst im April.

Der Steckling
Der wichtigste Faktor bei der Efeuanzucht, wie überhaupt bei jeder vegetativen Vermehrung, ist der Steckling. Ist er von guter Qualität, so ist der Erfolg meist sicher. Man verwendet einjährige Ranken, die möglichst an hellem Standort gewachsen sind, und nicht mit Krankheiten (durch Pilze oder Bakterien verursachte Blattflecken) behaftet sind. Auch ein stärkerer Spinnmilbenbefall kann den Steckling schon sehr geschwächt haben. Aus den Ranken schneidet man Teilstecklinge mit einem bis mehreren Blättern und führt dabei den Schnitt in der Mitte eines Internodiums. Ob man die Triebspitzen als Kopfsteckling verwenden kann, hängt davon ab, ob sie genügend ausgereift sind. Meist wird man wenigstens die äußerste Spitze wegwerfen müssen. Die Stecklinge können bis zum Stecken eine bis mehrere Tagen einem Plastikbeutel verpackt, bei +2 bis 6°C gelagert werden, oder sogar bei +1— 0°C mehrere Wochen.

Die Vermehrung
Hedera kann man mit Erfolg auf recht unterschiedliche Art und Weise vermehren und kultivieren, je nach Betriebsstruktur‚ Betriebseinrichtungen und Gewohnheiten. Die folgenden Angaben sollen als Richtlinien gelten.

Das Substrat
Efeu gedeiht in vielen Substraten, aber mit besserem Erfolg, wenn man folgendes beachtet: Der pH—Wert des Substrates soll über 6,0 liegen; je nach der Wasserhärte bei 7,0 bis 8,0 pH. Das Substrat soll eine ausreichende Durchlüftung auf weisen, durchlässig sein, damit keine Staunässe entsteht. Ein ausreichender Humusanteil, aber auch Tonanteil ist vorteilhaft. Das Substrat sollte nicht zu stark augedüngt sein (ich gehe davon aus, dass in den Endtopf vermehrt wird). Dass das Substrat möglichst keimfrei sein sollte, versteht sich von selbst. Es können also viele Fertigerden, auch mit Rindenkompostanteil zur Verwendung kommen, wenn nur diese Richtlinien beachtet werden. Gewöhnlich steckt man in den Endtopf. Je nach Topfgröße werden mehrere bis viele Stecklinge in einen Topf gesteckt. Auch hier sind die Gewohnheiten verschieden. Für den Friedhofs - und Topfpflanzengärtner ist eine Wahre mit vielen, aber kurzen Ranken günstiger, als Pflanzen mit weniger und langen Ranken, wie sie oft bei Baumschulen angeboten werden. Die Stecklinge werden bis zur Blattachsel (der Nodie) in das Substrat gesteckt, wobei auf die Polarität geachtet werden muss.

Die günstigste Vermehrungstemperatur liegt bei 18 bis 20°C.Im Oktober/November können aber auch robuste Sorten in kalten Kästen vermehrt werden. Die Bewurzlung erfolgt dann im April. Im Sommer und bei weichen Stecklingen kann eine Abdeckung mit Folie zweckmäßig sein; im Winter kommt man im Gewächshaus ohne Verdunstungsschutz aus (hohe Luftfeuchtigkeit). Die Bewurzlung erfolgt je nach Jahreszeit nach 2 bis 4 Wochen. Das Licht ist hier meist der begrenzende Faktor. Das bisher gesagte bezieht sich nur auf die vegetative Vermehrung des Efeus, da diese für die vielen Sorten die einzige Vermehrungsmöglichkeit ist. Aus Samen würden sie nicht echt fallen. Der gewöhnliche Efeu Hedera helix kann jedoch auch auf generativem Wege vermehrt werden, und hie und da wird es auch praktiziert.

Die Samen werden im März/April reif. Ein sicheres Zeichen für ihre Reife ist es, wenn die Amseln beginnen die Beeren zu fressen. Die Aussaat muss unmittelbar nach der Ernte erfolgen. Wenn die Samen auch nur kurze Zeit trocken gelagert werden, wird ihre Keimfähigkeit stark gemindert.

Die Weiterkultur und die Abhärtung
Nach genügender Bewurzlung und erfolgtem Austrieb, benötigen die Pflanzen einen weiteren Standraum. Die Weiterkultur kann, je nach Empfindlichkeit der Sorten und der Jahreszeit in geheizten oder ungeheizten Gewächshäusern, Folientunnels oder Kästen erfolgen.

Im Sommer muss ausreichend schattiert werden, vor allem bei den bunten Sorten in der Gewächshauskultur. Die grünen, robusten Freilandsorten stehen zwecks Abhärtung besser unter Folie, ohne Schatten, oder in Frühbeetkästen, die ab August abgedeckt werden können.

In der Hauptwachstumszeit, im Gewächshaus von März bis August, sollte wöchentlich gedüngt werden mit 1 bis 2% Düngerlösung (Stickstoff betonter Volldünger).
Es können auch Langzeitdünger eingesetzt werden.

Die Kulturdauer wird beeinflusst von dem Vermehrungszeitpunkt, und davon, ob die Pflanzen gestutzt werden oder nicht, Natürlich auch von der Rankenlänge, die sie beim Verkauf bzw. der Verwendung haben sollen. Die kürzeste Kultur ergibt sich z.B. bei einer Vermehrung im Januar/Februar, bei nicht gestutzten Pflanzen (= 4 Monate, Rankenlänge 20 bis 25 cm).

Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button

Wenn die Informationen auf unserer Website nützlich für Sie sind, freuen wir uns über Ihre Unterstützung unserer ehrenamtlichen Arbeit.