Efeuhaare in der Kriminalistik

von Wilfried Engesser

In seinem Buch ”The Gardener's Guide to Growing Ivies” erzählt Peter Rose, wie Efeuhaare halfen, ein Verbrechen aufzuklären. Am 12. August 1988 wurde in Blandford (Dorset) in England ein neunjähriges Mädchen in eine einsame, mit Efeu bewachsene Gegend gelockt, sexuell missbraucht und ermordet. Ihr Körper wurde unter aufgeschichteten Efeublättern versteckt. Bei den Untersuchungen fand man ein zerknittertes Efeublatt in der Jackentasche eines Verdächtigen. Peter Rose wurde gebeten festzustellen, ob dieses Blatt zu denen gehörte mit denen die Leiche zugedeckt wurde. Dies war jedoch nicht möglich, im Gegenteil; das Blatt konnte von überall her stammen, auch aus dem Garten des Verdächtigen.

Foto: Wilfried EngesserFoto: Wilfried EngesserIm Zuge der weiteren Untersuchungen machte Peter Rose den Kommissar auf die Existenz von Efeuhaaren aufmerksam, die möglicherweise an der Kleidung hafteten. Das Verbrechen wurde im August ausgeübt, in einer Zeit, in der die Haare jung sind und nur durch Berührung auf Kleidung übertragen werden können. (Anmerkung: Im Herbst und im Winter sind die neu gewachsenen Haare spröde, brechen ab und können z.B. auch durch den Wind übertragen werden)

Mit Hilfe einer Fusselbürste gelang es, aus der Kleidung des Verdächtigen Efeuhaare zu isolieren. Selbst in den Kleidungsstücken, die er gewaschen hatte, um Blutspuren zu entfernen fand man solche. Man fand auch Kleidungsfasern des Kindes in seiner Kleidung, doch konnte deren Anwesenheit auch durch gelegentliche normale Kontakte des Mädchens mit dem Mann erklärt werden. Dieser wohnte am Ort des Mädchens und war ihm bekannt.

Bei der Gerichtsverhandlung brachte der Verteidiger vor, die Polizei habe das Efeublatt in die Jackentasche des Angeklagten geschoben. Tatsächlich spielte jedoch das Efeublatt für die Urteilsfindung keine weitere Rolle Es waren die Efeuhaare auf der Kleidung des Kindes und der des Angeklagten als schweigende Zeugen eines Verbrechens, für das der Mörder lebenslänglich erhielt.

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